Montag, 24. November 2008

Dem Himmel so nah (17.11. – 23.11.08)

Diese Woche waren die ersten vier Tage besonders knackig. Also kalt. Der Himmel über Beijing war besonders klar, und das eben auch nachts. Und immer wenn O. nach einer pünktlich begonnenen Schlafphase seinen 6-Uhr-Morgen hatte, joggte er in die sternenklare Kälte hinaus, verblüfft, dass man auch in einer Millionenmetropole die Ster..... WAS!?!! Mein Lüget nicht, wenn ich sage, dass O. tatsächlich eine Sternschnuppe sah. Wie überraschend dieses Erlebnis für ihn war, ist daran ersichtlich, dass er sogar vergaß, sich etwas zu wünschen (als ob das überhaupt was brächte ...).
Einmal gab es in der Mensa so lustige, schlauchartige ... Dinger zu Essen, die relativ zäh und Geschmacksarm waren. Mit jedem weiteren Stück hoffte O., dass es sich um eine Art Pilz handeln möge.
Als er sich mit seinem Sprachpartner und einem gemeinsamen Freund zum Mittagessen traf, litt der Freund (Shawn) unter einer üblen Magengeschichte. Dadurch motiviert, konnte O. sich zum ersten mal ein Suburbanes Krankenhaus von innen anschauen. Es hatte was von einem Amt, als man sich anmeldete, Basismessungen (Puls, Blutdruck) durchführen ließ, und dann eine Pendelbewegung machte: Kasse – Labor – Kasse – Materialausgabe – Kasse – Wartesaal. Shawn wurde ambulant an den Tropf gehängt, zu diesem Zweck war der Wartesaal pro Sitz mit zwei Aufhängern für Beutel ausgestattet. Aber da die Tropfzeit zwei Stunden betragen würde, es bereits 22:30 war und noch zwei andere (Shawns Frau und Weili) bei ihm waren, verabschiedete O. sich geschwind, um noch die letzte U-Bahn nach Hause zu erwischen. Optisch gelang das ... aber zwei freundliche Beamte der U-Bahn zeigten O eine Sonderbuslinie direkt neben der U-Bahnstation. Damit kam O. zu seiner Linie 10 und damit auch nach Hause. Es stimmt schon: Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr .... Engel haben schwarze Haare.
Am Mittwoch abend beeilte O. sich, mit Klassenschluss um 18 Uhr möglichst nah an 19 Uhr in der Kirche zu sein. Und fünf Minuten nach ist ein geradezu unglaublich gutes Ergebnis! Und jede Mühe wert, denn heute hatten wir einen Apostel und zwei Siebziger zu Besuch, die eine Fireside abhielten. Fireside? Was ist das?
Fireside ist das englische Wort für den Bereich um den Kamin, dort, wo man sich in Prä-TV (merke, nicht Pay-TV, sondern Prä-TV!) Zeiten am Abend versammelte, um zu reden, zu lesen, kleine Reparaturen durchzuführen usw. In den Anfangstagen der Kirche war dies auch der Ort, wo man sich nach einem langen Arbeitstag über das Evangelium unterhielt. Dabei wurde der Ort zum Ereignis. Man traf sich also nicht mehr AN DER Fireside, sondern ZU EINER Fireside. Und weiterhin sprach man über ein bestimmtes Thema oder zu einem bestimmten Publikum.
Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, nur wurden die Kamine weniger und die Zuhörer mehr.
Und so trafen sich ca. 250 Menschen in den Räumen der Kirche, um den Generalautoritäten zu lauschen.
Der Apostel heißt Dallin H. Oaks, und er sprach darüber, wie gerade in Zeiten der Unsicherheit und Krise wie zur Zeit das Leben auf einem Fundament, stärker und haltbarer als Geld, gebaut sein muss. Außerdem sprach er den Singles Mut zu, dass man zu jeder Zeit seinen ewigen Gefährten finden kann (da ging ein Seufzer der Erleichterung durch die Reihen). Und schließlich durchlebte er mit den Anwesenden gemeinsam noch einmal die Geschichte der Kirche in China (mit einer Tanzgruppe der Brigham Young Universität fing alles an).
Am Donnerstag fand O. endlich H-Milch!
Das Wochenende war sehr schön, aber das sind hier fast alle, deshalb soll hier nur gesagt sein, dass es so schön war wie fast alles Wochenenden.
Auch wenn die Woche gegen Ende wieder etwas smoggiger und daher wärmer wurde, so geht die allgemeine Tendenz nach unten. Man erkennt das daran, dass in den Eingängen der Geschäfte, die unglaublich lange geöffnet haben, zunehmend diese Nato-Lazarett-Zelteingang-Blätter mit den beiden Sichtfenstern hängen.

Keine Kommentare: