Sonntag, 30. November 2008

Dankgebend (24.11. - 30.11.08)

Dank wofür?
Nun, für frisch gewaschenes Bettzeug.
Für den tollen Taiji-Lehrer, dessen Erklärungen man zwar nicht versteht, der aber trotzdem nicht langweilig ist. Diese Woche war die vorletzte Stunde mit ihm.
Für einen schönen Besuch bei Familie Haslam (die Familie, bei der es letzten Sonntag mexicanisch gegeben hatte. Diesmal waren Joel Taylor und O. alleine bei ihnen, und zwar als Heimlehrer. In der Kirche werden Männer immer zwei und zwei ausgeschickt, um Familien zu besuchen. Das ist unabhängig davon, wer wie wo wohnt und wie die Lage ist. Auf diese Weise lernt man sich gut gegenseitig kennen, und grad wenn man Solo-Leute besucht, kann man mal mit Tatkraft mithelfen, wenn etwas allein nicht zu schaffen ist. Haslams jedenfalls ging es gut, und so blieb es bei einem schönen Plausch.
Für eine frisch gereinigte Sonntagshose.
Für einen kostenlosen Fahhrad-Mietservice, den O. auch gleich zum Shoppen nutzen konnte.
Für einen ganz besonderen, kleinen Videoclip, den man sich auf ku6 oder youku, beides chinesische Pardons für Youtube, anschauen kann. Er handelt von zwei blinden Menschen, die sich in einer U-Bahnstation begegnen und dann über die Welt reden, die ER schon lange nicht mehr, und SIE noch nie gesehen hat. Dieses Video ist so unglaublich rührend, dass O. es immer wieder anguckt (wahrscheinlich, bis er es auswendig kann. Der Titel lautet 路遇 (Lujü), was so viel wie "Begegnung Unterwegs" bedeutet. Wer es versuchen möchte, mögliche links lauten:
http://v.youku.com/v_show/id_XNTM2ODkxMTY=.html
http://v.youku.com/v_show/id_XMTYxMDgzODQ=.html
oder
http://v.ku6.com/show/06q8DCgzEvmtQ_2G.html
Für einen wöchentlichen Heimabend, an dem man sich mit Freunden trifft, was isst und sich austauschen kann. Von den Spielen ganz zu schweigen. Oder wie diese Woche von James Bond: Casino Royale. Beim zweiten mal fand O. den Film viel besser, als damals im Kino. Gibt einem wirklich zu denken ...
Für einen chinesischen Staat, der bei allem Unbehagen mit Religion gestattet, dass Mitglider der Kirche hier ihren Glauben ausüben können. Das muss hier so erwähnt werden, weil am Samstag eine Taufe stattfand. Und wir reden hier von Taufe durch Untertauchen. In geleasten Räumen gibt es kein Taufbecken. Also begann der Versammlung, und alle Anwesenden pilgerten einen Stock höher, in das "Miracle"-Fitnesscenter. Da gibt es einen Pool. Und den konnte man nutzen. Wie das alles so passt.
Für eine super Sprachpartnerin, mit der man sich gut versteht, und mit der man spürbaren Fortschritt macht.
Für ein Erntedankessen, dass sich gewaschen hat. Noch am selben Tag fuhr O. mit einem gemieteten Fahrrad quer durch Beijing (auf der Straße, die als einzige die gesamte Stadt ungeknickt durchzieht). Im Heim einer Familie gab es ein Potluck (Essen, zu dem jeder was mitbringt). Und was da an Quantität und Qualität aufgefahren wurde, sprengte Vorstellung und Hosenknöpfe. Und das beste war, dass man sich bei den Resten bedienen konnte. Für O. hieß das zwei Truthahnbeinchen und einige Brötchen. Da viele mit anpackten, war Aufbau und Abbau schnell geschafft. Einziger Wermutstropfen: Auf dem Rückweg fiel die Mutter ab, die das linke Pedal an der Mittelachse festhält, und O. fuhr 5-6 km, indem er alle 4-5 Tritte das Pedal mit dem Fuß neu festklopfen musste. Aber er schaffte es!!!
Für einen schönen Sonntag, bei dem man am Vormittag geistig und am Nachmittag körperlich gestärkt wird. Diesmal bei Familie Carpenter, und wieder reichlich und lecker. Nach dem Essen packte der Vater, der alte Brettspielfreak das erste Spiel des Jahres aller Zeiten aus und bescherte zwei lustige Stunden.
Und zu guter Letzt, und das muss erwähnt werden, wenn man schon über Dinge nachdenkt, für die man dankbar ist, die Menschen.
Für Eltern, die einen hergestellt haben, Geschwister, mit denen man sich super versteht, Freunde in der Heimat, auf die man sich immer freuen kann, wenn man online geht oder an die Rückkehr denkt, Freunde hier in China, die einem so sehr geholfen haben und helfen, und an die man sich wenden kann, wenn man Fragen oder Schwierigkeiten hat. Ja, damit sind alle gemeint, die diesen Blog lesen, denn soweit ich weiß, sind das alles Freunde und Verwandte. Danke euch, und danke für euch.

Montag, 24. November 2008

Dem Himmel so nah (17.11. – 23.11.08)

Diese Woche waren die ersten vier Tage besonders knackig. Also kalt. Der Himmel über Beijing war besonders klar, und das eben auch nachts. Und immer wenn O. nach einer pünktlich begonnenen Schlafphase seinen 6-Uhr-Morgen hatte, joggte er in die sternenklare Kälte hinaus, verblüfft, dass man auch in einer Millionenmetropole die Ster..... WAS!?!! Mein Lüget nicht, wenn ich sage, dass O. tatsächlich eine Sternschnuppe sah. Wie überraschend dieses Erlebnis für ihn war, ist daran ersichtlich, dass er sogar vergaß, sich etwas zu wünschen (als ob das überhaupt was brächte ...).
Einmal gab es in der Mensa so lustige, schlauchartige ... Dinger zu Essen, die relativ zäh und Geschmacksarm waren. Mit jedem weiteren Stück hoffte O., dass es sich um eine Art Pilz handeln möge.
Als er sich mit seinem Sprachpartner und einem gemeinsamen Freund zum Mittagessen traf, litt der Freund (Shawn) unter einer üblen Magengeschichte. Dadurch motiviert, konnte O. sich zum ersten mal ein Suburbanes Krankenhaus von innen anschauen. Es hatte was von einem Amt, als man sich anmeldete, Basismessungen (Puls, Blutdruck) durchführen ließ, und dann eine Pendelbewegung machte: Kasse – Labor – Kasse – Materialausgabe – Kasse – Wartesaal. Shawn wurde ambulant an den Tropf gehängt, zu diesem Zweck war der Wartesaal pro Sitz mit zwei Aufhängern für Beutel ausgestattet. Aber da die Tropfzeit zwei Stunden betragen würde, es bereits 22:30 war und noch zwei andere (Shawns Frau und Weili) bei ihm waren, verabschiedete O. sich geschwind, um noch die letzte U-Bahn nach Hause zu erwischen. Optisch gelang das ... aber zwei freundliche Beamte der U-Bahn zeigten O eine Sonderbuslinie direkt neben der U-Bahnstation. Damit kam O. zu seiner Linie 10 und damit auch nach Hause. Es stimmt schon: Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr .... Engel haben schwarze Haare.
Am Mittwoch abend beeilte O. sich, mit Klassenschluss um 18 Uhr möglichst nah an 19 Uhr in der Kirche zu sein. Und fünf Minuten nach ist ein geradezu unglaublich gutes Ergebnis! Und jede Mühe wert, denn heute hatten wir einen Apostel und zwei Siebziger zu Besuch, die eine Fireside abhielten. Fireside? Was ist das?
Fireside ist das englische Wort für den Bereich um den Kamin, dort, wo man sich in Prä-TV (merke, nicht Pay-TV, sondern Prä-TV!) Zeiten am Abend versammelte, um zu reden, zu lesen, kleine Reparaturen durchzuführen usw. In den Anfangstagen der Kirche war dies auch der Ort, wo man sich nach einem langen Arbeitstag über das Evangelium unterhielt. Dabei wurde der Ort zum Ereignis. Man traf sich also nicht mehr AN DER Fireside, sondern ZU EINER Fireside. Und weiterhin sprach man über ein bestimmtes Thema oder zu einem bestimmten Publikum.
Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, nur wurden die Kamine weniger und die Zuhörer mehr.
Und so trafen sich ca. 250 Menschen in den Räumen der Kirche, um den Generalautoritäten zu lauschen.
Der Apostel heißt Dallin H. Oaks, und er sprach darüber, wie gerade in Zeiten der Unsicherheit und Krise wie zur Zeit das Leben auf einem Fundament, stärker und haltbarer als Geld, gebaut sein muss. Außerdem sprach er den Singles Mut zu, dass man zu jeder Zeit seinen ewigen Gefährten finden kann (da ging ein Seufzer der Erleichterung durch die Reihen). Und schließlich durchlebte er mit den Anwesenden gemeinsam noch einmal die Geschichte der Kirche in China (mit einer Tanzgruppe der Brigham Young Universität fing alles an).
Am Donnerstag fand O. endlich H-Milch!
Das Wochenende war sehr schön, aber das sind hier fast alle, deshalb soll hier nur gesagt sein, dass es so schön war wie fast alles Wochenenden.
Auch wenn die Woche gegen Ende wieder etwas smoggiger und daher wärmer wurde, so geht die allgemeine Tendenz nach unten. Man erkennt das daran, dass in den Eingängen der Geschäfte, die unglaublich lange geöffnet haben, zunehmend diese Nato-Lazarett-Zelteingang-Blätter mit den beiden Sichtfenstern hängen.

BSE und Mexico (10.11. – 16.11.08)

O. begann ab Mittwoch, eine skeptische Augenbraue zu lüften, wenn er sein Essen aus der Kantine holte. Es gab jeden Tag absolut köstliche Hühnerbeinchen. Da das vorher in zweieinhalb Monaten nur ein- zweimal der Fall war, wunderte er sich, ob hier vielleicht Studenten dazu missbraucht wurden, um Beweise für eine neue Epidemie der Hühnergrippe zu vernichten. Selbst wenn es so war, O. tat das mit Freude, brauchte er doch die Kraft, um weiterzuleben, wider der Tatsache, dass der Taijilehrer ihn zunehmend beim Vorführen neuer Moves als ... Versuchskaninchen heranzieht. Und dann mit wucht wieder wegstößt. Am Dienstag nach Tischtennis erzählte mein Sprachpartner seiner Bekannten beim Abendessen von O.s Kirche, dass Mitglieder Alkohol, Kaffee, Tee und Tabak nicht zu sich nehmen. Ihre Frage kam prompt: „Und Rindfleisch? Dürfen die das?“. Sei es allen beantwortet: „Ja.“
Am Donnerstag fiel die Nachmittagsklasse aus. Oder sollte ich besser sagen, sie wurde auf Freitag morgen verlegt. Denn ein Schwung künftiger Lehrer für Konfuziusinstitute (KIe) auf der ganzen Welt sollte sich einmal einen Eindruck davon machen können, wie sich der Unterricht mit Ausländern so anfühlt. Also pilgerte die Klasse zu einem Gebäude mit größeren Unterrichtsräumen, in denen die ca. 60 (!) Zuschauer Platz hatten. In der Pause konnten Schüler und Lehrer ein bisschen plaudern. Das war eine sehr interessante Erfahrung für alle. Aber Frau Nie, die Lehrerin der Klasse, hatte alles souverän im Griff. Heiter war es danach, als zwei sehnsüchtig wartende Schülerinnen das sich lehrende Klassenzimmer stürmten, und die VORDERSTEN Reihen für (scheinbar recht zahrleiche) Freundinnen besetzten.
Freitag war wieder Heimabend, Samstag Treffen mit der Sprachpartnerin JänChia und Sonntag Kirche. Was die drei Tage allerdings GEMEINSAM hatten war, dass sie alle Mexikanisches Essen aufboten. Am Freitag war es eben beim Heimabend. Die bekannte wunderbare Mischung aus Essen, Reden und Spielen.
Am Samstag gab es wieder eine Dinnergroup, zu der O. diesmal Saft mitbrachte. Die Wohnung der Gastgeber zu finden, war ein echtes Abenteuer, denn sie wohnten in einem eingezäunten (sehr großen) Areal, dessen Eingang an einer Straße lag, die nicht der Adresse entsprach (quasi A- Straße Nummer 3, aber der Eingang liegt an der B-Straße). Aber trotz über halbstündiger Zuspätkommung war O. immer noch der zweite von dreien, und das mit nur wenigen Minuten Abstand zum ersten.
Die Gastgeber haben zwei Hunde, einer davon ein Welpe. Süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!
Am Sonntag wurden die JAEs wieder zum Mittagessen eingeladen.
Und eben bei allen drei Gelegenheiten gab es Tortillas, Taccos, alle Zutaten zum wo reintun und Reis als Beilage.
Die Ursachen für diese Häufung liegen wahrscheinlich in irgendeinem kosmischen Gesetz begründet, das den, der es entdeckt in den Wahnsinn treibt.

Montag, 10. November 2008

Zweigkonferenz (08. und 09.11.08)

O. musste zu seiner großen Bestürzung feststellen, dass es schon immer etwas direkt neben der Uni gab, zu dem er sonst immer lange Wege auf sich nehmen musste: Eine Tubestation!!!
Nun gut, sie würde ihn nirgendwo hinbringen, denn es war nur ein Lokal :-)
Und dort traf er sich mit Jän Chia zum Plaudern und Üben. Fast fünf Stunden blieben sie da, aber die Sitze waren auch gemütlich! Die Zeit verging schnell, bis O. am Abend noch einmal in die Kirche fuhr. Denn dort fand ab 18:30 eine Versammlung statt. Denn dieses Wochenende war Zweigkonferenz. Bei dieser Gelegenheit kommen Geschwister, die in der Leitung des Distrikts dienen und haben ein offenes Ohr für Fragen und Vorschläge. Und als Bonus gab es hinterher Brownies und Eis *schleck*.
Sonntags dann wurden in den normalen Versammlungen die Beamten bestätigt, und auch O.s Name wurde genannt, immerhin war er Ratgeber. Nur der Nachname ... der gute Bruder sagte: „Oliver Meissen ... Singer...“
O. fühlte sich direkt geschmeichelt ... und konnte auch diesen Titel als Teil eines Quartetts verteidigen. Nach der Kirche luden die Classens wieder zum Essen ein. Und viele kamen. Zu Lasagne, wer kann da nein sagen?

Eine Woche wie ein Marienkäfer (schön aber unspektakulär) (03.11. – 07.11.08)

Sei es gleich zu Beginn erwähnt: O.s Prüfungsergebnis waren sehr zufriedenstellend. Am Mittwoch rief’s Müdderle an! Und das war diese Woche der einzige Kontakt nach Hause. Aber seit der Zeitumstellung ist ein gemeinsamer Wachtermin immer schwerer zu realisieren. Mit sieben Stunden Abstand ... Es war auch in dieser Woche, da O. sein Moskitoproblem lösen konnte. Er klebte jede Ritze an der Klimaanlage zu (mit Paketband). Seither herrscht Ruhe. Das kann natürlich auch daran liegen, dass alle Mücken auf einen Schlag an den immer kälteren Temperaturen gestorben sind ...
Am Freitag wurde farbig gewaschen. Und während der edle Zwirn zum Trocknen hing, folgte O. einer Einladung seines Freundes Yong Weili, bei einem Karaoke-Abend mitzumachen.
Es traf sich Weilis AK Pingpong, ca. 10-12 Leute. Vier Stunden lang schmetterten sie ununterbrochen ein Lied nach dem anderen, und das Verb ist passend gewählt. Denn sie schallten schon mit Wonne in ihr Mikrofon, die Chinesen. Und O. konnte endlich mal vor Publikum seine beiden chinesischen Lieder zum Besten geben, die er auswendig konnte: „Du, mein Tischnachbar“ und „Das Kangding Liebeslied“. Boah, da klappten Kinnladen nach unten ... nicht.
Aber es war eine echte Erfahrung, wäre bei halber Lautstärke aber doppelt so schön gewesen.
Und noch leichter, wenn die Untertitel nicht fast alle in Langzeichen gewesen wären. Im aktuellen China werden ja Kurzzeichen verwendet. Als ein paar krasse Beispiele seien folgende genannt, es sind Zeichen identischer Bedeutung und Aussprache, aber anderer Schreibweise (Kurzzeichen – Langzeichen): 无–無 学-學 乐-樂.

Fast Sonntag (02.11.08)

Der erste Sonntag im Monat ist der Fastsonntag. An diesem besonderen Tag nehmen die Heiligen keine Nahrung und kein Getränk zu sich. Das heißt 24 Stunden oder zwei ausgelassene Mahlzeiten. Das Geld, das man dadurch spart, wird symbolisch als Spende dem Bischof der Gemeinde gegeben. Symbolisch heißt hier nicht, dass es kein echtes Geld ist, oder nicht echt gegeben wird, sondern dass man nicht den EXAKTEN Gegenwert der nicht gegessenen Speisen spendet, sondern einen relativ freien Betrag, aber man sollte großzügig sein. Denn das Geld geht direkt und ohne Abzüge für Verwaltung o.ä. in den Fastopfer-Fond und von da ebenso direkt in Projekte und Programme zur Unterstützung von Menschen, die nicht genug zum Leben haben oder von Katastrophen betroffen sind. Und genau das fand heute statt. Und sonst neben der Kirche keine weiteren Aktivitäten, Euer Ehren.

Kugelrund und nochmal etwas flaches Rundes (31.10. – 01.11.08)

Freitags ging O. wieder mit Yong Weili zum Tischtennis, diesmal aber on location auf halbem Wege zu ihm. Ein weiterer Freund war wieder dabei. Und boa, hatte O. an Skill zugelegt! Jetzt verlor er nicht mehr jeden 10. Ballwechsel, sondern jeden 15.! Es war dies auch der Tag, da der Blog seine größten Fortschritte richtung Erstveröffentlichung machte.
Samstag war mal wieder ein Ausflugtag. O. traf sich mit Teresa am Eingang zum Westcampus und begab sich mit ihr zum allseits bekannten Wangfudsching. Ziel der Operation war es, einige CDs zu finden, also Musik. Aber nach allem was sie sahen war China zwar in DVDs ganz groß, hat aber in CDs höchstens ein Stiefkind. Was MP3-Tauschbörsen doch so anrichten können ...
Gerade das Regal mit Filmmusik, nach der O. suchte war einfach jämmerlich. Ein Meter breit und sechs Fächer hoch. Alte Schinken wie Hairspray und Grease, evergreens wie Star Wars und Herr der Ringe waren da, aber nichtmal Piraten der Karibik war zu sehen, und der Soundtrack war doch nun ganz ehrlich ziemlich erfolgreich und weit verbreitet.
Aber mal ganz unter uns, so von Frau zu Frau, das ganze Shopping war doch nur Entschuldigung und Präludium zum eigentlichen Zweck: PIZZA!
In Gedenken an gute, alte Zeiten (so vor zwei Monaten) begaben sich Rezi und O. zu einer Pizzeria in Chidan und luden Käserand in die Luke.
Nach gemahlter Zeit wälzten sie sich zur nächsten U-Bahn-Haltestelle und überraschten dabei ein Kommanduunternehmen des Koreanischen Geheimdienstes, das mit sieben Mann eine Bank of China infiltrieren wollte, während einer den Haupteingang lahmlegte. Auf der Flucht vor den Agenten quälten sie sich durch überfüllte ÖPNV und Gehwege nach Hause.
Noch eine Notiz für alle, die viel Herzblut in Ladenöffnungszeiten investieren. Man kann sich wundern, wenn man um 17 Uhr einen großen Indoormarkt betritt, und alle Rolltreppen nach unten gehen. Ja, der Laden machte für den Tag dicht und spuckte nur noch aus, schluckte aber nichts mehr.
Als man endlich wieder daheim zum bersten voll in den Sitz sinken konnte, ging O. nicht eher zu Bett, als bis er diesen Blog endlich online hievte.

Plus-Modul 1: Missionsarbeit in China

Religion ist an sich nicht das Problem. Es geht vielmehr darum, ob eine Glaubensrichtung die öffentliche Ordnung stört, einem im Ausland sitzenden Oberhaupt untersteht oder die Gefahr eines organisierten Widerstands gegen den Staat besteht. Deshalb ist zum Katholizismus anerkannt, aber der Papst nicht (zumindest, wenn seine Vorgaben nicht mit der der Regierung übereinstimmt.)
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (i.F.: HLT) ist eine Kirche, die aktiv Missionsarbeit leistet. Wer hat nicht schon mal die Jungen Männer mit den schwarzen Namensschildern gesehen, die den Gehweg hinabgehen und Leute suchen, die ihre Botschaft hören wollen? Doch sind diese nur die sog. Vollzeitmissionare, die zwei Jahre lang jeden Tag den ganzen Tag diesen Dienst verrichten. Doch ist jeder Heilige bis zu diesem und jenen Grad an diesem Werk beteiligt.
Nicht jedoch so hier in China.
Hier ist aktive Missionsarbeit durch Ausländer unter „Festlandchinesen“ verboten. Niemand, der einen Pass der Volksrepublik China besitzt, darf auf dem chinesischen Festland aktiv oder passiv zur Kirche eingeladen werden, zu welcher Aktivität auch immer. Alle anderen Nationalitäten schon. Ausnahmen bilden Festlandchinesen, die das Evangelium mit ihren nächsten Familienmitgliedern teilen. Und wenn Chinesen das Land verlassen, und sich in der Fremde der Kirche anschließen, steht ihnen nichts im Wege, als Christen zurückzukommen.
Diese Beschränkungen sind relativ einzigartig und auf die Kirche der HLT zugeschnitten. Striktes Befolgen sichert ihnen das Recht zu, sich zu versammeln und Gottesdienste abzuhalten.
Es ist mit einer der größten Wünsche für die Kirche, neben den großen fünf (Islam, Katholizismus, Buddhismus, Taoismus, Protestantismus) auch offiziell anerkannt zu werden.
Die Alternative wäre, Gesetze in den Wind zu schießen, einfach loszulegen und als Untergrundkirche zu operieren, aber das ist natürlich keine realistische Überlegung.
Langfristiges Ziel ist, zu beweisen, dass sich Heilige dem Gesetz des Staates fügen und keine Bedrohung darstellen.

Deutsche Bürokratie, Altchinesische Hinterhöfe und was Flaches Rundes (29.10 – 30.10.08)

Der Chineses Dream: Alles steht dir offen, solange du der Regierung nicht auf die Füße trittst, sehr fleißig bist und hervorragende Beziehungen hast. Aus diesem Traum erwacht man schnell.
Diesmal war es eine Nachricht, die einer der Erlanger Legionäre, Jonas, erhalten hatte. Bezüglich einer Imtratiklutiationsbescheinigung, die man von der Uni anfordern und per Sündteurem Fax oder spottbilligem Email-Anhang zur Uni in Erlangen schicken muss. Als Beweis, dass man wirklich nicht nur nicht in Erlangen, nicht nur in China, nicht nur an der Beiwai ist, sondern auch wirklich für ein Jahr eingeschrieben. Wieder mal die Frage, was geschehen wäre, wenn nicht einer so eine Nachricht empfangen hätte. Und wiederum die große Dankbarkeit, dass dies rechtzeitig geschah und an O.s Ohren drang. Ein A4-Blatt einscannen, 1 kuai (inzwischen gut 12 Cent, bei dem Aufruhr zwischen den Währungen).
Am Donnerstag wurde der Morgen gestundet, sprich: Wecker um 6 → Aufstehen unmöglich, Wecker um 7 → Aufstehen unangenehm, Wecker um 8 → Aufstehen unausweichlich. Denn um 8 Uhr versammelten sich die C-Klassen am Eingang zum Westcampus.
Noch vor der Prüfung hatte die Lehrerin folgende Wahl in Aussicht gestellt:
Am Donnerstag ist ein normaler Unterrichtstag, aber man KÖNNTE ja eventuell, statt Bücher und Lernen einfach mal eine Tour in einen Teil der Beijinger Altstadt wagen, wie wäre das?
Tick
Tack
Tick
Tack
Tick
Tack
Ähm ....... jo, doch, mit Bedauern, aber Interesse könnte man sich so eine Tour vorstellen.
Und so kam es, dass lauter geduckte Gestalten, die sich gegen einen kalten Morgen schützen wollten in kleinen Träubchen beisammen standen. Vier und vier wurden alle in Taxis gesetzt, mit der expliziten Instruktion an den Fahrer zum Trommelturm zu fahren. Beim Eintreten wurde man mit einem Metalldetektor gescannt. Sobald dieser Detektor Metall aufgespürt hatte, wurde man durchgewunken. Man kam sich ein bisschen vor wie der waffenstarrende Mann, der im Loriot-Sketch durch die Flughafenkontrolle geht. Der Trommelturm ist ein altehrwürdiges Bauwerk, dass aus Zeiten stammt, in denen die Gefahr noch bodengebunden aus dem Norden erwartet wurde. Und von dort oben konnte man sie erstens recht bald sehen und zweitens eine effiziente Warnung in die Stadt trommeln. Wenn man sich vorher beim Erklimmen der 140%-Steigung-Treppen nicht schon das Genick gebrochen hatte. Ob es arrangiert oder Zufall war; als sie alle oben waren trotteten fünf begeisterte Angestellte herein und brachten ein free sample zu Gehör. Hätten die nur größere Klöppel benutzt! So richtig mächtig wurde der Sound erst beim synchronen Schlusstakt. Ansonsten bringt O.'s Subwoofer ja mehr her, ey!
Nach knapp 20 Minuten wurde die Schar weitergescheucht (immer daran denken, dass dies eine chinesisch kontrollierte Aktivität war. Die Regel lautet hierbei: „Gesehen? Ja? Weiter!“)
Mehr oder weniger geschlossen erforschte man nun einen Teil von Ol' Beijing, sogenannte Hutongs. Da konnte man überall Visa kaufen, und O. hatte sich so viel Mühe gemacht, eines beim Amt zu kriegen! Zumindest hing an jedem zweiten Geschäft ein Schild, auf dem „Visa“ geschrieben stand.
Für die Enten kam jedoch jede Chance zur Ausreise zu spät.
Der Weg führte zu einem Park, der einst Lustwandelfläche für einen Mann namens Gong Wangfu war. O. wollte erst gar nicht mit, entschied sich aber aus Angst, etwas zu verpassen, doch für einen Eintritt. Ein paar schöne Fotos waren der Lohn.
Man konnte sich fast vorstellen, wie Wangfu hier Ruhe und Besinnung fand, es gab nur ein Problem: DIE MASSEN AN MENSCHEN!!! Eher konnte man sich vorstelle, wie es sich angefühlt haben muss, wenn ein wütender Mob die Anlage stürmte.
Mit drei Lehrerinnen im selben Taxi fuhr O. nach Hause und machte sich Spaghetti. Eigentlich eine sehr unweise Entscheidung, wenn man bedenkt, dass für den Heimabend Pizza angekündigt worden war. Da diesmal aber nur fünf Leute dabei waren, also im Ganzen, GING man Pizza essen, uns ließ nicht nach Hause liefern. Das Restaurant hieß „The Tree“ und machte eine Pizza ... Wenn im celestialen Reich noch gegessen wird, dann soll es diese Pizza sein.
Danach wurde noch geplaudert, es drehte sich hauptsächlich um die Geschichte der Kirche hier in China, teilweise verglichen mit ihrer Geschichte in Deutschland. Mehr dazu in Plus-Modul 1 weiter oben.
Auf dem Weg nach Hause war O. einen Großteil des Weges mit Mike Cunningham unterwegs. Und dieser redet gern und viel. Ein perfektes Team, da O. lieber zuhört :-)

Sonntag, 2. November 2008

Herz und Nieren (27. und 28.10.08)

Montag fand die schriftliche Prüfung statt. O. war so unglaublich wach. Sein Verstand arbeitete wie noch nie. Er pflügte durch die Fragen wie ein russischer Atom-Eisbrecher .... der deutsch kann. Was da zu lösen war, konnte man kaum als Hindernis oder Aufgabe bezeichnen! Zwei Stunden Zeit! Ha! Wer braucht schon so lange für so einen Witztest! Sechs Seiten und Schluss!

Hoffentlich bestanden ...

Am Nachmittag half Jän Chia O. bei der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung, die nächstentags stattfinden würde. Es galt, einige Sätze vorzulesen, bei anderen zunächst Lücken auszufüllen, und dann vorzulesen und dann über eines von zwei Themen zu sprechen, die man schon vorher wusste. O. hatte auf Thema „1“ gehofft, aber man musste blind zwischen zwei Papierchen wählen, und da ist natürlich sofort klar, was O. erwischte. Tipp: Es war NICHT Thema „1“. Ein Bombenspezialist sollte O. immer dabei haben und ihn bei jeder unklaren „Rot-oder Grün-Entscheidung“ fragen, welches Kabel gekappt werden soll. Solange er immer das Kabel nimmt, das O. NICHT vorschlägt, hat er eine 100%ige Überlebenschance.
Als auch mündlich geschafft war, war ein wichtiges Etappenziel geschafft.

Das Eisen erkaltet (20.10. - 26.10.08)

Ich kann diese Woche diesmal getrost als Ganzes betrachten, denn diesmal war sie geplant, vorhersagbar und effizient. Abgesehen von Montag, wo O. einfach nicht wach wurde. Schalfmangel war es nicht. Viel wahrscheinlicher ist Wassermangel. Das Klima in Beijing ist sehr trocken, und O. wachte seit Anbeginn jeden Morgen mit einem Reibeisen-Hals auf. Im Laufe der Woche testete er auch eine bewusste Mehreinnahme, und sah tatsächlich spürbare Verbesserungen.
Diese Woche ging die Klasse C4 geschlossen in ein Restaurant um die Ecke, um .... zu essen. Naja und um zu reden, sich besser kennenzulernen. Und reichlich Bier löste die Zunge. Deswegen redete O. auch nicht so viel.
Beim HA wurde diesmal борщ (Borschtsch) serviert, dazu Kartoffelsalat. Und neben O. gab es zwei weitere Geräuschemacher. Alle, die also O. kennen, können sich ihn hoch 3 vorstellen.
Weili kam diesmal den Weg zu O. zum Sprachenlernen.
Weihnachten ist nur noch zwei Monate entfernt und sendet seine Frostboten voraus. In dieser Woche muss das Thermometer um 10 Grad gefallen sein. Nachts ganz zu schweigen.
Sonntags fand diesmal nichts spezielles für JAEs statt. O. machte sich Spaghetti zu Mittag und ging mal früh schlafen. Die Formung der Routine ist beendet. Jetzt muss die Form gegen Belastungen beständig sein und weiter erkalten.

Deutsches Wochenende (18. und 19.10.08)

Samstag war ein Tag in der Tür (also in door, also indoor). Neben einer Aufnahme der Vokabeln auf Minidisc (O. steht auf seine Stimme, und wenn er die auch noch während des Joggens hört, wie sie ihm Vokabeln vorliest ..... O BOY!!!) Ansonsten wurde der Tag für Blog-Verfassung und ausgedehnte Gespräche mit lieben Menschen zu Hause genutzt.
Sonntag war wieder so ein Tag. Zum Glück kann man das Leben nicht planen, sonst blieben einem so schöne Überraschungen vorenthalten.
Da war zunächst mal das Mittagessen bei Classens, einer deutschen Familie, also hier eher ein Ehepaar (die Kinder sind schon groß). Und das war Nudelauflauf, Nudeln, BANDNUDELN mit Gulasch, Zum Nachtisch Kuchen. Bitte Weitersagen, der Himmel liegt im 23. Stock!
Szenenwechsel: O. hatte im Laufe der ersten sieben Wochen einen Bedarf an einigen Artikeln festgestellt. Nun bot sich die Gelegenheit, einem Kollegen des Vaters, der geschäftlich nach China reisen würde, eben diese mitzugeben. Zeit und Ort der Übergabe war Sonntag, 19.10., 18 Uhr in der Lobby des Holiday Inn am Lido Garden.
Jetzt darf munter geraten werden, welches deutsche Ehepaar um die Ecke vom Lido wohnt. Doch nicht nur das war schön.
„Um die Ecke“ ist hier in Beijinger Dimensionen gemeint. Also immer noch zwei drei Kilometer entfernt. Eine Laufzeit von einer halben Stunde. Aber: Vater Classen bot an, O. hinzufahren. Nach Verhandlungen, die sicherstellten, dass es kein ungebührlich aufwendiger, schlicht unnötiger und erst recht kein von O. erwarteter Dienst war, fuhren die beiden in den Keller, also zur Tiefgarage.
O. suchte angestrengt auf der linken Seite nach einem Auto, das er sich als Eigentum eines Exildeutschen vorstellen konnte. Währenddessen schritt Eldor (so Vater Classens Name) seelenruhig zu seiner nagelneuen Harley ...
Dat Monstrum braucht erstmal ein paar Dutzend Kolbenstöße, um überhaupt am Laufen zu bleiben. Wie das Knattern die Garage zum Vibrieren brachte!
Dann hoppten sie beide auf den riesigen Sattel und los ging's. Wer Freiheit erleben will fahre in Beijing Motorrad, es besteht nämlich keine Helmpflicht.
Während der fünfminütigen Fahrt lösten sie durch den Schalldruck zwei Auto-Alarmanlagen aus, und an deren Ende ritt O. unter dem Baldachin des Holiday Inn ein. Wie ein geretteter Diplomat auf dem Pferd eines Abenteurers (man wird ja noch ein bisschen träumen dürfen).
Er kam ein bisschen früher als 18 Uhr (Jaaaa, O. ist richtig pünktlich geworden!!) und musste nicht lange warten, bis die Kollegen Fieber und Kübel ihn ansprachen.
Eine kleine Plauderei begleitete die Übergabe und dann schleppte O. seine Beute zu seiner Höhle. Sportjacke, Gesangbuch für die Kirche, ein paar Zeichenübungsblätter, Toffifee (nicht erbeten, aber sehr geschätzt :-)!!), u.v.m.. Eine lange Reise, aber jeden schwitzigen Meter wert!

Das Muster: Die andere Seite der Medaille (13.10. - 17.10.08)

Erwähnen wir die wichtigen Ereignisse. Am Montag traf O. sich zum ersten mal mit seiner uni-internen Sprachpartnerin, He Jän chia. Sie lernt deutsch, er chinesisch, der Nutzen für beide liegt auf der Hand. Am selben Tag, abends, fuhr O. wieder zu Weili, diesmal spielten noch zwei Freundinnen von ihm mit Tischtennis. Wessen Freundinnen es waren, wird aus dem Kontext klar.
Leider hat eine Regel oder eine Routine nicht nur gute Eigenschaften. Ein PROBLEM, das immer wieder auftaucht, sind die Unterbrechung bei der Internet-Verbindung. Zu willkürlichen Zeiten und für willkürliche Zeiträume kann man sich nicht mit dem Uninetz verbinden. Und da man nur über das Uninetz ins Internet gelangt, fühlt man sich sehr schnell sehr unwohl, wenn man daran gewöhnt ist, Internet-Radio zu hören, oder per Messenger auf Empfang zu sein. Diese Woche und die davor und danach waren jeweils zur Hälfte unverbindlich. Wie O. von seinem Tischnachbarn und inzwischen guten Freund Pierre erfuhr, wurde die Firma, die den Netzwerkdienst bereitstellt, CERNET, fortlaufend von erbosten Studis belagert. Das heißt, er konnte nichts beschleunigen. Geduld war das Gebot der Stunde. Und wurde ab Donnerstag nachmittag auch belohnt.
Am Mittwoch wurde farbig gewaschen (das heißt, damit ist als letztes auch das Bett nach deutschen ... also zumindest O.s Standards, sauber.
Nach dem HA wurde er von Steve auf dessen Elektroroller zur UH gebracht. Das war natürlich erstens sehr freundlich von ihm, zweitens aber auch sehr bequem. Dadurch gewann er ein paar Minuten, die er aber beim Warten auf die U-Bahn wieder verlor.
Am Freitag trat eine tolle Idee in Kraft.
Da die Zweige in Beijing Durchgangszweige sind, will heißen, neben einem Grundstock gibt es einen großen Anteil der Heiligen, die kommen, gehen und zwischendrin nur relativ kurze Zeit da sind, eben deshalb haben sich die Leute vom Aktivitätenkommittee was cleveres ausgedacht: Dinnergroups.
Da werden Menschen relativ zufällig in Gruppen zusammengefasst, und eine Familie dient als Gastgeber, während die anderen etwas zum Essen beitragen. Und gemeinsam isst man dann und lernt sich kennen. Und bei den Chens (der Name der Gastgeber) hatte O. auch die große Ehre, Elder und Sister Dschia kennenzulernen (im Foto ganz rechts). Er ist Siebziger (s.o.) und verantwortlich für die Kirche in ganz China. Und das ist beileibe kein einfacher Job. Schwierig zu glauben, aber O. war nicht nur nach Pass, sondern auch nach Aussehen der jüngste in der Runde. Deswegen lief hier auch alles nicht so locker und leger ab, wie bei einem HA, aber das Essen war wesentlich ausgefeilter. Ach ja, O. hatte einen Teil zum Dessert beigetragen.
Die Wohnung diente auch als Umgebung für eine neue, professionelle Übersetzung des Buches Mormon vom Englischen ins Chinesische. Auf dem dargestellten Tisch wurde der Text druckfertig gemacht. Alles zusammen wirklich ein Ort, an dem das Evangelium gut vertreten war und ist.
Und für eine Definition was Liebe ist: schaue man sich das Bild an. Br. Chen hatte das Regal gebaut und sah es zu nicht viel nutze, da faltete Sr. Chen die Handtücher anders.

Generalkonferenz (11. und 12.10.08)

In der Kirche besteht die gleiche Organisation wie in der Kirche zu Christi Zeiten: Apostel, denen ein Präsident mit zwei Ratgebern vorsteht, Siebziger, Bischöfe, etc..
Daneben gibt es Organisationen für spezielle Gruppen innerhalb der gesamten Mitgliedschaft, zum Beispiel Junge Damen (JD, Mädchen 12 bis 17), Junge Männer (JM, Jungs 12 bis 17), Frauenhilfsvereinigung (FHV, Frauen über 18), Primarvereinigung (PV, Kinder von 3-11).
Für jede dieser Organisationen gibt es eine Präsidentschaft, die für die gesamte Kirche zuständig ist. All diese Menschen werden als Generalautoritäten bezeichnet.
Zweimal im Jahr (jeweils erstes Wochenende im April und Oktober)findet nun die bereits erwähnte Generalkonferenz statt. Das geschieht in Salt Lake City in einer Halle mit 20.000 Sitzplätzen für örtliche Zuschauer und wird per Satellit und Internet live in die ganze Welt übertragen. Je nach Zeitunterschied werden auch Aufzeichnungen gesendet (man will in Deutschland eine Versammlung, die im US-Westen um 18 Uhr stattfindet, wirklich nicht live sehen).
In Beijing gibt es aber nun kein Equipment, um das Live-Signal per Satellit zu empfangen, und auch das Internet ist keine Lösung, wenn man die Versammlungen einer großen Gruppe zeigen will. Also werden aus Salt Lake DVDs geschickt, die alle Versammlungen mit Tonspuren für die wichtigsten Ostasiatischen Sprachen enthalten. Und da das eben nicht live geht, wird hier die Generalkonferenz eben eine Woche später angeschaut.
Und genau DAS tat O. an diesem Wochenende. Am Samstag begannen die zweistündigen Sessionen um 10:00, 13:00 und 18:00 Uhr. In der großen Pause nutzte O. den Umstand, dass er einen Laptop besaß und arbeitete weiter an seinen Vokabeln.
Am Sonntag begannen die Sessionen um 8:30 (!) und um 11:00 Uhr. Wenn man eine knappe Stunde Anreise berechnet und daran denkt, wie lange O. morgens im Bad braucht, weiß man, wann er aufstehen musste ...
Möge man sich bei Interesse ein paar Ansprachen anschauen (http://www.lds.org/conference/languages/0,6353,310-1,00.html) oder durchlesen (http://www.lds.org/conference/sessions/display/0,5239,23-1-947,00.html)
O. genoss alle 10 Stunden, die er hören konnte und fand wieder viel Stoff für seine bildhaften Notizen.
Naturgemäß bleiben das, was am Anfang und das was am Schluss gesagt wird, am besten im Gedächtnis. Und so auch hier. Die letzten Worte vor dem Amen waren:

„Denken wir daran, zu wem wir beten; denken wir daran, in wessen Namen wir beten.“
Eine sehr gute Aufforderung.

Danach trafen sich wieder einige JAEs bei Faye zu Speis und Spiel. Am Abend sogar selbst gemachtes Sushi!

Das Muster zum ersten mal gelebt (06.10. - 10.10.08)

Statt jeden Tag durchzusprechen will ich nun die Werktage als ganzes betrachten. Der Stundenplan ist ja bereits bekannt und ändert sich auch nicht mehr. Ansonsten laufen die Tage alle ähnlich ab, und O. versuchte nun eine Routine oder ein Muster in den Wochenablauf zu bringen, die diese Woche zum ersten mal so geklappt hat. Vielleicht ein bisschen holprig und bei weitem nicht fest und fehlerfrei.
O. war seit einiger Zeit bekannt, dass es neben dem Sportplatz auf dem Ostcampus (also dem Campus, auf dem er NICHT wohnt) öffentliche Fitnessgeräte (ein liebevoll so genannter Rentnerspielplatz) stehen. Vielleicht hat der eine oder andere sie schonmal in einer Beijing-Reportage gesehen. Rot, ge-elb und blau stehen sie da und bieten Trimmdich für allerhand Muskelpartien. Und das völlig kostenlos. O. begann in dieser Woche die Routine, um 6:00 Uhr aufzustehen, zu den Geräten zu joggen, zu stählen, zurückzujoggen und so schnell geduscht und angezogen zu sein, damit er um 7:00 rum in seinen Heiligen Schriften schmökern kann.
Am Montag abend traf er sich mit Weili, diesmal auch zum Tischtennisspielen.
Und das Zentrum dieser Woche befand sich am Donnerstag abend.
Da fand nämlich der JAE-Heimabend zum ersten mal statt! Und zwar in der Wohnung einer JAE, namens Faye. Ihre russische Mitbewohnerin, Laru (ob die schreibweise stimmt weiß ich nicht) kochte für die Anwesenden. Ruschisch ... Ruschiss ... Eben ein Gulasch aus ihrer Heimat. Nach Abräumung gab O. einen geistigen Gedanken. Und zuletzt wurden Spiele gespielt. Und ich wage zu behaupten, das mit dieser Truppe sogar eine Partie blinde Kuh noch Spaß gemacht hätte. Vor allem Steve, auch ein Bekannter aus der Kirche, würzte den Abend mit Kommentaren und Aktionen zum Abbrechen. Und aufgemerkt: Auch der Heimabend wird zur festen Einrichtung am Donnerstag abend. Jaha!

Urlaub (29.09. - 05.10.08)

Selten, dass einem ein Bedürfnis so bereitwillig gewährt wird.
Ja, in der Tat, diese Woche fand kein Unterricht statt. Und was machte O. mit dem ersten so frei gewordenen Tag? PUTZEN!!! Seit der ersten Woche lagen aller erforderlichen Produkte bereit, heute auch die Zeit. Die Regel hieß von oben nach unten und von außen nach innen. Und so arbeitete sich O. von den Wänden zum Fußboden hin vor und kehrte und wischte alle Oberflächen, bis er an der Badezimmerschwelle angekommen war. Und da das Bad in China gleichzeitig die Dusche IST (nicht nur BIRGT, sondern IST) konnte der Dreck hier im Abfluss verschwinden. Ah!
Dienstag gehörte Vokabeln. O. entstaubte seine alte Vokabelliste in Mocrisift (wieder verfälscht) Excel und ergänzte sie um die in China neu gelernten.
Der Mittwoch, der 1. Oktober war der Grund für die unterrichtsfreie Woche. Es ist der Nationalfeiertag Chinas, der Tag, an dem Mao Zedong die Volksrepublik ausrief. O. konnte das nur recht sein, ermöglichte ihm das doch, ausgiebig zu shoppen. Dabei langen hinwegs einige Steine im Weg. Vielleicht sogar buchstäblich, denn der Bus, in dem Lisa (ein Kommin) und O. zum Supermarkt fuhren, hielt urplötzlich und mitten auf der Straße an. Was der Fahrer in den Fahrgastraum rief, war vielleicht eine Erklärung, wurde aber von beiden nicht verstanden. Er scheuchte jedenfalls alle Passagiere hinaus, markierte die Stelle, an der er stehengeblieben war und fuhr den Bus an den Straßenrand. Sie waren aber nahe genug dran, um den Rest zu laufen.
SHOPPEN!! Essen und Accessoires (So ne Art Tupperdose, Geschirrspülmittel, Tücher), ready for the catwalk! Danach ging O. noch mit einer neuen deutschen Bekanntschaft (Tillmann, kurz: Till) zum Dschong Guan Zun (kennen wir schon). Er wurde bei seinem externen DVD-Rom fündig, O. bei seinen Lautsprechern nicht. Nicht dass es keine gegeben hätte, aber der Klang war in seiner gewünschten Preiskategorie mehr als dürftig. (Verwöhnter Westsnob).
Donnerstag siehe Dienstag und am Freitag, dem 3. Oktober, was tat ein Deutscher da?
*Träum: sich in einer Gala-Uniform werfen, die deutsche Nationalhymne schmettern, so mit einer riesigen Schwarz-Rot-Gold-Flagge über den Campus marschieren und eine Jägerstaffel fliegt über die Szenerie und zieht gleichfarbige Rauchstreifen durch den Himmel*
O. machte mit seinen Vokabeln weiter und traf sich am Abend zum ersten mal mit seinem neuen Sprachpartner, Jong Weili. Sie aßen gemeinsam bei ihm zu Hause, seine Eltern sind sehr nett, aber wenn sie miteinander reden, klingt es stets, als würden sie sich gegenseitig beleidigen. Liegt eben an ihrer Art der Betonung :-).
O. hatte Weili über einen Freund aus der Kirche kennengelernt, und eben diese drei gingen nun gemeinsam zu einem öffentlichen Platz und brachten eine Mischung aus Indiaca [dieses Kissen mit Federn DRAN (nicht drin) das man wie einen Volleyball mit den Händen von einem zum andern haut] und Hackysack (der reisgefüllte Lederbeutel). Sprich also man haute das Ding mit den Füßen. Und da zeigte sich China wieder mal von seiner besten Seite. Auf diesem Platz waren hunderte von Menschen. In der Mitte, beschallt aus einem Lautsprecherwagen tanzten zig Paare alle möglichen Standards ab, und an den beiden Ecken zur Straße hin, wo die Scheinwerfer standen, bildeten sich um die acht Gruppen mit jeweils 3-8 Leuten, die eben dieses Hackysack spielten. Rotation war völlig offen. Wer mitspielen wollte, kam einfach dazu, wer aufhören wollte, sagte tschüss und ging. Derweil saßen einige Rentner am Rand auf den Bänken und passten auf Rucksäcke u.ä. auf. Bei solchen gesellschaftlichen Anlässen erkennt man, dass das Volk, „die Chinesen halt“, Menschen wie viele andere sind, mit Spaß an der Freud.
Am Samstag war Wäschewaschtag und Entspannung angesagt.
Nein, Generalkonferenz wurde wirklich weder heute noch gestern geguckt. Dazu komme ich aber noch (auch was zu Geier Generalkonferenz ist).
Am Sonntag genoss O. eine wunderbare Fast- und Zeugnisversammlung. Und nach diesem geistigen Fest kam das leibliche, denn alle JAEs, die wollten, waren zu Lewis' eingeladen.
Also zum Essen.
Und was da aufgefahren wurde, um eine ermüdete Männerzunge zu entzücken, lässt sich sehen .... lesen .... schmecken ... ach Heck, es war jedenfalls phantastisch. Ich schreibe es hier mal auf:
Eine Art Schweinebraten, Kartoffelsalat, Broccolisalat, Brötchen, Jell-O mit Sahne, Käsekuchen mit Schichten aus Vanillecréme, Schokocréme (mit optionaler Schlagsahne), Apple-Pie, Vanille-Eis und Brownies. Kann man sich vorstellen, wie man sich da fühlt, nachdem man zwei Wochen lang nur bis zur Lapprigkeit gedünstetes Grünzeug, kleingehechseltes (mit Glück knochenloses) Fleisch und Reis gehabt hat? Wer sagt, dass Kirche nur für das geistige Wohl sorgt?

Raum und Zeit (27.09. - 28.09.08)

O. hatte einen Termin. Einen Termin ohne Zeitpunkt aber doch von großer Bedeutung. Er holte seinen Pass ab, in dem nun in blau eine wunderschöne Aufenthaltserlaubnis klebte. Man kann sich nicht vorstellen, wie sich ein Triumphgefühl anfühlt, wenn man so einen Moment noch nicht selbst erlebt hat. Dieser Aufkleber bedeutete nicht nur eine erfolgreiche Bewältigung des Systems, das Ende einer langen Wartezeit und die Grundlage eines dauerhaften Aufenthaltes, nein, es bedeutete auch einen Sieg gegen TRADER'S LINK! HA!!! Wie Odysseus einst stand O. am Ufer der Straße und schrie gegen das Getöse zu den Göttern: „ICH habe es geschafft, ein Sterblicher, allein, Kraft seines Verstandes!“ Ich hab jetzt nur eben vergessen, wie die Götter reagiert hatten ...
Es folgte jedenfalls eine Irrfahrt, die wesentlich länger dauerte als geplant. O. fuhr mit dem Bus, weil er Zeit sparen wollte. Was er dadurch verlor, war: Zeit, genau. Der Verkehr war wieder mal sklerotisch.
Sein Ziel hieß Wang Fu Dsching, weil er dort Bücher und Kalligraphie-Ausrüstung erwerben wollte. Das meiste gesuchte fand er auch. Es kam ihm aber auch zu Bewusstsein, dass an jedem Fernseher Trauben von Menschen stehenblieben, ganz zu schweigen von den beiden Großleinwänden, die es in Wangfudsching gibt. Da standen sie zu tausenden. Und man muss zugeben, dass sie guten Grund dazu hatten. Denn was da zu sehen war, das auch mal so im deutschen TV zu sehen, das ist für ein Stoff der in Träume gehört: Chinas erste Extra-Vehicular Activity im freien Weltraum.
Ja, Dschai Dsch'gang verließ die schützende Kapsel und tollte in seinem Raumanzug draußen vor der Tür herum. Damit holte China eine Premiere zurück in die östliche Halbkugel, die Alexei Leonow vor 43 Jahren dort präsentiert hatte.
Und vom ersten Spalt in der Außenluke bis hin zum Erscheinen seiner Füße in der Außenkamera wurde jeder Fortschritt mit Applaus aus der Menge belohnt.
Am Sonntag setzte O. erfolgreich alles daran, nicht zu spät zu kommen. Gut, das sollte an sich eine Selbstverständlichkeit sein, aber heute war die Motivation besonders groß. Denn Er war für eine Ansprache in der Abendmahlsversammlung vorgesehen. Aber durch diverse Verzögerungen kam er erst knapp 15 min. vor Schluss dran, mit noch einem weiteren Sprecher, der nach ihm kommen würde. Also ließ er einfach alle langweilige Hinführung sein und erklärte seine Schlussfolgerung. Und wie es schien, fand diese Technik gefallen. Was gelernt, ohne ermüdende Einleitung :-). Nach dieser Leistung hätte O. eigentlich Urlaub gebraucht.

Nördlich des Flusses (22.09. - 26.09.08)

Montag bis Mittwoch kann man als Leben bezeichnen. Routine. Routiniertes Leben. Lernen, Wäsche waschen, Essen, Schlafen. Am Donnerstag gingen die Denkwürdigkeiten weiter. Der Unterricht viel auf jeden Fall aus. Aber für die, die sich eingeschrieben und dafür geblecht hatten, ging der Tag heute schon um 7:50 los. Das war nämlich der Zeitpunkt, sich bei den Bussen zu treffen, die als Viererflottille gen Norden fuhren, voll mit Auslandsstudenten. Ziel war die Stadt He Bei, was auf deutsch soviel bedeutet wie „Nördlich des Flusses“. Auf der Fahrt konnte O. herrlich schlafen, denn die Sitze waren ungewöhnlich geräumig, auch im Beinraum. In einem Restaurant wurde fürstlich getafelt und dann ein Buddha-Tempel-Grundstück besichtigt. Die vorgesehene Ordnung mit ca. 15 Studis pro Führer war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Masse ergoss sich einfach auf das Grundstück (übertönt von dem freundlichen „HEREIN“, das für jeden Einzelnen beim Durchschreiten des Drehkreuzes ertönte) und erforschte die Stelen, Gebetsmühlen, Statuen und Bauten. Im Hauptgebäude am höchsten Punkt der Anlage konnte man ein komplett goldenes Dach bewundern, von der Innenbemalung ganz zu schweigen. Außerdem konnte man glückbringend Wasser zum sprudeln bringen, indem man mit den Händen über Bügel rieb, die aus einer Messingschüssel ragten.
Bald mussten auch wieder alle bei den Bussen sein, um zur Uni von Tscheng De weiterzufahren, die relativ nahe lag. Dort wartete für jeden Ausi ein Chini, mit dem man dann plaudern konnte. O.s Begleiterin hieß Liu Dschüän Wei. Gemeinsam bereisten sie den Campus und redeten so gut sie konnten. Dabei zeigte sich, dass sie wesentlich besser chinesisch konnte, als er. Sie aßen wie auch alle anderen gemeinsam zu Abend. Für das Essen hier, hätte O. Jedes Beiwai-Essen links liegen gelassen. War das lecker! Und reichlich!
Abgerundet wurde der Abend durch einen kleinen kulturellen Teil, in dem Tscheng De-Studis kleine Gesangs- oder Tanznummern aufführten. Da saßen sie nun alle, vier Busse voller Ausis und plus jeweils ein Chini, in einem Hörsaal, der für vielleicht 100 Leute konzipiert war ... Aber es war im besten Sinne gemütlich und niedlich. Wie sich zum Beispiel einer bemühte, seine verstärkte E-Gitarre und seine Stimme über das Sprachmikro des Hörsaals in Einklang zu kriegen. Oder die Tanzgruppe, in der eine Mitwirkende so wirkte, als wirkte sie aus dem Stegreif mit. Als der letzte Applaus gerade verklungen war, ging es blitzschnell. Alle wurden auf dem kürzesten Weg zu den Bussen gelotst und zu einem Hotel in He Bei gefahren. O. wurde mit einem wildfremden Kasachen zusammengesteckt. Wir reden hier von einem echten Hotel mit allem Komfort, aber auch vielen Stockwerken. Und wenn 200 Leute auf einmal zwei Aufzüge benutzen wollen, bleiben einem nicht viele Alternativen. O. und sein Genosse wählten die fleißigste: 22 Stockwerke per Treppe. Bei dieser Wanderung zeigte der Kasache, dass er zumindest in Bezug auf das F-Wort der englischen Sprache gut mächtig war :-).
O. duschte (mit Duschvorhang und Wanne!), räkelte sich auf dem Kingsize-Bett und schrieb Tagebuch, bis ihm die Augen zufielen. Sein Genosse kam irgendwann gegen 3:00 wieder zurück von einem Stadtausflug.
Frühstück (einfach ein am Morgen verzehrtes Mittagessen) war um 7:30, dann wanderte die Schar zur kaiserlichen Sommerresidenz. Der Ort, an den sich der Kaiser (von China) im Sommer zurückzog, wenn es in Beijing zu heiß wurde. Und der Kaiser hat sich bei seiner Residenz nicht lumpen lassen. Das Ding ist eher ein Park von der Fläche der verbotenen Stadt.
Bei strahlend blauem Himmel konnte O. den Park in seiner ganzen Pracht genießen. Alles wunderbar in Schuss, glitzerndes Wasser in den Weihern und Bächen, üppige Vegetation überall sonst, und an einer Stelle gar sehr zutrauliche Hirsche und Rehe. O. als Kaiser hätte sich wahrscheinlich für immer hierher zurückgezogen. Aber er war und ist ja kein Kaiser ... schade ...
Träumen davon konnte er noch auf der vierstündigen Heimfahrt (Wie wohl auch der Mensch, der hier versucht hat, SINOPEC zu schreiben ...).

Technologie und ländliche Schlichtheit (19.09. - 21.09.08)

Freitag kam der erste Kontakt mit dem *Pauken* Silicon Valley Chinas, Dschong Guan Zun! Das Gebiet (und es ist groß, wirklich groß) ist ein Stadtteil, in dem sich Glasundstahl an Glasundstahl reiht und man Elektronik in all ihrer Vielfalt zu Gesicht und zum Verkauf bekommt. Bei allem Chaos will aber keine vertraute Mediamarkt-Atmosphäre aufkommen, denn man muss sich bei geringstem Interesse auf jeden Fall mit einem Ladenbesitzer oder Verkäufer abgeben. Gucken, anfassen und durchlesen gibt’s da nicht. Sobald man länger als zwei Sekunden halbwegs interessiert auf einen Punkt schaut, versucht ein zuvorkommender Mensch, zu erraten, was man da wohl anschaut und es einem anzubieten. Jeder in der Gruppe kam mit unterschiedlichen Zielobjekten (SD-Speicherkarte, E-Wörterbuch, ...) dorthin. O. suchte prinzipiell nur nach einem USB-Kabel für seinen Musikspieler, war aber auch gewillt, ein Bündel DVD-RAM-Medien abzugreifen, sollte sich die Gelegenheit bieten. Und sie bot sich. Vor dem Mittagessen gab er sie in Bestellung, danach konnte er sie aufgabeln. War man schon von diesem Horrortrip gebeutelt, kam der i-Punkt am Abend.
Die deutsche Botschaft hatte alle DAAD-ler eingeladen, zu einem Party-Event-Abend ebendorthin zu kommen. Und alle DAAD-ler, die O. kannte, kamen. Am Eingang wurde natürlich Filzen und Metallisch abtasten durchgeführt, dabei fand der Beamte, was O. schon gar nicht mehr bewusst wahrnahm: Sein Schweizer. Das musste er eben an der Reppzep... Rezpepz ... am Eingang abgeben, bis er wieder gehen würde. Der goldene Stift am Gästebuch war schon leergeschrieben, als O. sich eintragen wollte. Also schrieb er mit seinem eigenen Edding. Den verlieh er in Folge an so viele Leute, dass er ihn einfach dort liegen ließ (Hallo, Botschaft!! Des is Olis!!!).
Wie von einem Party-Event zu erwarten, war es voll und laut. Unter dieser Voraussetzung, wie von O. zu erwarten, suchte er sich eine gemütliche (sehr gemütliche!) Sitzgelegenheit und schrieb sich selig an seinem Tagebuch. Ab und zu holte er sich einen Happen oder einen Schluck und bekam Besuch von einem oder mehreren Freunden. Auf die Weise hatte wirklich jeder seinen Spaß.
Auch an weiteren Goodie-Taschen, die Olympia-Reste (Stifte, Wedel und Aufkleber etc.) enthielten.

Man dachte, man ist müde und geschafft, dann kam Samstag. O. fuhr mit einer Tasche voller Wechselwäsche zum Zweig-Gebäude. Dort warteten auch schon zwei Busse und eine Menschenmenge. Der Zweig 1. Unterwegs gabelte man noch Zweig 3 auf. Zweig 2 scheint, der chinesische Zweig zu sein. Aber der war natürlich gemäß Gesetz nicht dabei.
Gemeinsam fuhren sie nun alle nach Huang Ja, einem Dorf, das ein großes Gästehaus in klassischem chinesischem Baustil besitzt. Dort quartierte man sich ein. 200-300 Menschen. Wer wollte, konnte in einem nahegelegenen Pub, lokale Delikatessen, wie Esel, genießen. Der Clou an diesem Gästehaus ist, dass es direkt an die Große Mauer angrenzt und einen eigenen Zugang dazu besitzt. Und viele nutzten diesen Umstand rasch aus, und erklommen das Stück Mauer. Leider ist dies ein Stück, das sich gerade einen steilen Berghang hinaufschlängelt, weshalb man schnell außer Puste kam. Aber O. schaffte es noch bis zu einem kleinen Aussichtspunkt von dem aus er den weiten Blick in den Nebel und das rasch abknickende Tal genießen konnte. Ganz zu schweigen von den zahllosen Spinnen und ein paar Gottesanbeterinnen, die hier zu prächtigen Exemplaren gedeihen. Der Abstieg begann gegen 18:00 Uhr, weil um 19:00 Uhr das Abendprogramm losging. Angefangen mit AbendESSEN. Danach versammelten sich alle im „Stadion“, also einem freien Platz mit ein paar hundert Schalensitzen auf drei Seiten. Es gab eine kleine Einführung, Begrüßung, ein Spiel, einen kleinen Banjo-Riff und schließlich Freestyle, Abtanzen, Marshmallows Grillen, Fotos, Reden. Gute zwei Stunden lang. Dann musste man auch an die Kinder denken. Ach ja, es gab ein großes Lagerfeuer, dass einfach nicht brennen wollte, und als es dann schließlich brannte, einfach umkippte, und man kann wirklich von Glück reden, dass nicht gerade jemand daneben stand und ihm den Rücken zukehrte ...
Und ein Feuerwerk gab es noch, das alles, was nicht bei dem Lichterspiel verbrannte, auf die Menge abregnete. Als hätte man einen Käferschwarm in 100 Metern Höhe vergiftet.
Als sich nun alle in ihre Räume zurückzogen, sammelte sich eine kleine Schar JAEs am Stadioneingang und betrat von dort aus die Mauer. Dem ersten Wachturm stiegen sie aufs Dach und bereitet sich da ein kleines Camp.
Ja, eine Übernachtung auf der großen Mauer! Das hatte sich O. auch nicht träumen lassen, als er noch vor nicht ganz 19 Jahren von den Windeln entwöhnt wurde, dass er sowas mal machen würde.
Viel geredet wurde nicht mehr, denn alle waren Müde, außerdem stürmten 30 Minuten später ein Dutzend Jugendliche die Bastionen und übernahmen den Part. Blieb nur der Schlummer, der mit dem ersten Tageslicht ein Ende fand. Ein diffuses Licht, denn der Nebel war noch dichter geworden. Knirschend und steif schälten sich alle aus ihren Schlafsäcken und machten sich an den Abstieg. Denn es wartete ein Frühstück und eine Abendmahlsversammlung.
Letztere fand in einem der zahlreichen Innenhöfe statt und war ein beeindruckender Anblick, wie da alle wie die Pioniere in schlichter Kleidung auf Stühlen, Simsen und Treppen saßen, und alles ohne Mikro und ohne Orgel ablief. Und schon kam wieder die Zeit des Abschieds und der Heimfahrt.

Viso? VISO!?!?! (16.09. - 18.09.08)

Ein X-Visum (also eines für Studenten) gestattet einem, anders als ein L-Visum (für Touristen, nur einen, und keine drei Monate im Land zu bleiben. Der Vorteil eines X-Visums ist aber, dass man durch einen Verwaltungsakt mit ihm eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr erhalten kann, und natürlich zwangsläufig auch muss. Der Nachteil wiederum ist, dass man eben einen VERWALTUNGSakt braucht. Verwaltung! Behörde! Ämter!
Nun gibt es an der BFSU das Angebot, eine Firma damit zu beauftragen, einem diesen Akt abzunehmen. Diese Firma heißt Trader's Link. Und diese Firma hat ein Problem:
Sie ist nie offen wenn man sie braucht. Sie macht genau dann Mittagspause, wenn alle anderen auch Mittagspause haben. Fängt erst mit der Arbeit an, wenn alle anderen auch ihr Tagewerk beginnen und hört auf, bevor man Schluss hat. Und wenn man mal abweichende Stunden hat, kann man sich an einer langen Schlange anstellen, und darauf warten, dass die Bürokraft einen einfach wegwedelt und sagt, Zeit is um, keine Annahmen mehr. Oder zu angekündigten Zeiten ist einfach niemand da. Wie auch immer, O. war genervt und beschloss, den normalen Weg zu gehen, und nicht den einfachen der dunkle Seite der Macht.
Er holte sich also einen Wisch vom Ausländerbüro, dass ihm dafür eigentlich eine Woche Wartezeit prophezeite, aber noch am selben Abend fertig wurde. Was dann noch fehlte, war ein Gang zur Polizei, also zu dem zuständigen Amt, aber das würde erst am Montag stattfinden.

Samstag, 1. November 2008

Ruhe nach dem ersten Sturm (12.09 – 15.09.08)

Die Woche war unglaublich hacht gewesen, deshalb schlief O. am Freitag aus. Und gegen Mittag geschah das unfassbare ... O. traf sich zum Mittagessen mit Teresa (bereits bekannt) aus der Heimat und (das war noch nicht das Unfassbare) ... und war SPONTAN. Ja, sie gingen gemeinsam in die Stadt, um vor allem nach und in Buchläden zu stöbern. Insgesamt durchkämmten sie drei, teils zum schlichten Stöbern, teils zur gezielten Suche nach bestimmter Literatur. Und wer den Kern einer Metropole durchstreift, der bekommt viel zu sehen. Unter anderem eine bekannte Reihe an Ständen, die allerlei abwegige Kreaturen zum Verzehr feilbieten. Bilder sagen da mehr, und der eine oder andere wird vielleicht schon einmal eine mail mit entsprechendem Material erhalten haben.
Dann gab es natürlich noch die prunkvollen Kaufpaläste aus Glas und Granitimitat, die nur die nobelsten und keinen Strich billigeren Topmarken anbieten. Doch die dienten den beiden höchstens als Passage von A nach B.
Bei der letzten Station, Chi Dan (wie bei eCHInacin) wurden die beiden auch in Essensangelegenheiten fündig, bei Mr. Pizza. Beide lieben Käse, also war die Wahl der Pizza kein Problem. Als sie aber spät spät abends endlich eine der beiden nächstgelegen UH erreichten, fuhr kein Bus mehr, um den Rest des Weges zu überbrücken. Zum Glück, müsste man sagen, denn bei einer unbestückten aber beleuchteten Bus-H-Werbetafel fanden die beiden findigen Köpfe eine einladende Spielwiese. Und bei einer bestückten auch. Im weiteren Verlauf war O. gerade dabei, einen Leuchtschriftzug am oberen Ende eines Hochhauses zu entziffern, als es Mitternacht wurde und selbige erlosch. Mifft!
Am Samstag wurden die Zweig-Räume geputzt, und O. hatte sich im Überschwang freiwillig gemeldet. Im ganzen waren es ca. 9 Leute, die mithalfen, Stühle aufzuschlichten, abzuwischen und den Boden zu saugen. Um 12 kamen dann Profis, die den Boden (100% Teppich) shamponieren würden. Die Heilige Putzkolonne zog sich dankbar zurück und da geschah es wieder. SPONTAN gingen sie gemeinsam zum Essen. Wieder Pizza! (Nein, über kann man die nicht haben, das ist das Gleiche wie bei Nudeln.) In dem Restaurant Crow's Nest kann man aus einer Speisekarte bestellen, die ein Layout wie eine Zeitung hat und während der Wartezeit ein Sudoku lösen.
Zur Kirche am Sonntag war der Teppich noch nass, aber er sah äußerst sauber aus. Das Besondere heute war eine Einführungsveranstaltung für alle Neuankömmlinge. Man bekam Hintergrundinfos und Tipps zu China im Allgemeinen und Beijing im Speziellen, einen kleinen Lönsch und eine Tasche voll mit Goodies wie Karten und empfehlenswerten Adressen zum Shoppen u. ä.. („Man findet alles in Beijing: Gift-Shops, Antique-Shops, Make-Antiques-while-you-wait-Shops ...“)
Der Montag war frei! Ein Feiertag (Das Mitt-Herbstfest). Der ideale Zeitpunkt, einen ausgedehnten Ausflug zu machen, diesmal zu einem eher unbekannten und daher noch ziemlich unberührten Ort: Die verbotene Stadt.
Alle wollten BEI Toröffnung hinein und standen deshalb um 8:00 Uhr vor den Toren. Bis dann um 9:00 endlich die Tore aufgingen und man als Nummern 308-316 des Tages hineinkam.
Ärgerlich, dass immer noch weite Teile des gesamten Areals für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Und geradezu fies, dass man als „normaler“ Besucher urplötzlich von einer Uniform auf- und 15 Minuten lang festgehalten wurde, um einen Sicherheitsperimeter um ein paar VIPs aufrecht zu erhalten. In der Folge wurde segmentweise die gesamte Westhälfte der „Innenstadt“ abgesperrt, während die VIPs durchgeführt wurden. Aber sobald man weit weg, vor oder hinter ihnen war, konnte man herrlichstes Wetter und hinreißende Fotomotive genießen.