Sonntag, 21. Dezember 2008

Der längste und der kürzeste Tag (15.12. – 21.12.08)

Keinen Tag zu früh kam am Dienstag per Kollegenpost O.s Winterjacke und per Chinesischer Post die CD des Kammerchores Vocalis ins Haus. Damit war Wärme von außen und innen garantiert. Es muss erwähnt werden, dass dieses Glück von mehreren Menschen geschaffen wurde, und diese sind meine Eltern, der Kollege von O.s Vater, Herr Mayer und Stef. Diesen sei hier von Herzen gedankt.
Mittwoch war ein komischer Tag. Nicht, dass irgendetwas hier in Beijing geschehen wäre, zumindest etwas, das hier Erwähnung finden müsste. Nein, es geschah in der .... oder besser MIT der Heimat. O. wusste seit langem, dass es passieren würde. Und es musste auch passieren. Aber er konnte es weder abwenden, noch dabei mithelfen, nicht einmal dabei sein.
Die Rede ist vom Umzug der Familie Meissner.
Seit seinem ersten Geburtstag war das Haus in der D. Straße für O. DAS Zuhause gewesen. War er auch weg für einen Tag, im Urlaub für eine Woche oder einen Monat, oder gar auf Mission für zwei volle Jahre. Er wusste, er würde zurück kommen. In sein Zimmer in diesem Haus.
Der Gedanke, dass er nun aller Voraussicht nach im Juli heimkehrt, aber dies keine Heimkehr nach Hause wird, sondern in eine andere Wohnung, .... ist komisch. Dass nun das Haus leer ist, und so wirkt, als wäre all das Schöne, das all die Jahre (ein viertel Jahrhundert!!!) darin stattfand, nie passiert. Abends gehen keine Lichter mehr an. Morgens wird kein Rollo mehr geöffnet. Ich hoffe, dass es einen Käufer gibt, der für ein Weiterbestehen sorgt.
Und immer wieder kommen mir Worte aus der letzten Folge der Serie „Babylon 5“ in den Sinn, als alle Hauptfiguren die Station verlassen, um andere Pflichten zu erfüllen. Sie lauten:
„Ich glaube, wenn wir einen Ort verlassen, geht ein Teil von uns mit, und ein Teil von uns verbleibt. Geh [in diesem Haus] irgendwo hin, wenn es still ist, und lausche. Nach einer Weile wirst du die Echos all unserer Gespräche hören, jeden Gedanken, den wir ausgetauscht und jedes Wort, das wir gewechselt haben. Noch lange nachdem wir weg sind, werden unsere Stimmen in diesen Wänden nachklingen, solange dieser Ort fortbesteht.“
In gewisser Weise ein sehr langer Tag für O., für den das Ganze wohl erst bei seiner Rückkehr wirklich Realität werden wird ...
Am Donnerstag trafen sich zahlreiche Geschwister aus dem Zweig, um den scheidenden Dickens’ ein letztes Geleit zu geben. In der Pizzaria Kro’s Nest! Da ging die Post ab! Und viel Pizza den Bach runter, also in den Magen. Jeder hatte da seine Freude und konnte noch mal so richtig abplaudern, ey! Da flossen mitunter auch echt harte Sachen, wie Tonic Water oder Wasser mit Eiswürfeln! Aber wenn irgendwann demnächst mal meine Beerdigung stattfindet, soll genauso eine Stimmung herrschen. Ein Abschied ja, aber mit Fokus auf das schöne „war“, nicht auf das getrennte „wird“. Denn es kommt gewiss ein „wieder“.
Am Freitag konnten die JAEs von Zweig Chris Wyatt wieder in ihrer Mitte willkommen heißen. Er ist auf Winterbreak wieder in Beijing, um Zeit mit seiner Liebsten zu verbringen. Es waren auch viele andere da, mehr als je zuvor, und sie alle trugen dazu bei, dass dies ein schöner Abend wurde. Da wurde nämlich dekoriert. Weihnachtsbaum und Wohnzimmer. Abba nisch zu Knapp!!! Das tolle an diesen Beijinger Plastikkugeln ist, dass sie beim Runterfallen immer so schön aufdatzen und wieder in die Hand, die sie verlor, zurückhüpfen J.
Am Samstag gingen Rezi, Flo, „Christina“ und O. zu einer Straße nördlich der Uni, wo es Buchläden hatte. Einen großen mit Neudrucken, und viele kleine mit Büchern aus der zweiten Hand (mit der zweiten hält man besser). Die Kälte kühlte die Begeisterung recht schnell, und man trennte sich je nach Bedarf und Interesse wieder auf. O. fuhr zum Domzili... Dozimi.... Zimbolo ... zum Heim der Familie Haslam, wo man mit reichlich leckerem an Speis und Trank Dan Haslams Geburtstag feierte. Der Hit aber war das Wiedersehen mit dem von O. geliebten Spiel ROBORALLYE, das drei Stunden lang die Leute lachen und weinen ließ, dass sie frohlockten und fluchten aber am Ende die ganze Truppe nach Hause ging. Die ganze Truppe? Nein. Die Haslams selbst blieben natürlich daheim.
Und der Sonntag war der 21.12., die Erdachse zeigt an ihrem Nordende in den freien Raum hinaus, weg von der Sonne und sorgte damit den kürzesten Tag des Jahres. Ab jetzt wird’s wieder besser, Freunde!

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Eine schöne Bescherung (08.12. – 14.12.08)

Diese Woche wurde aufgetischt, und zwar in vielerlei Hinsicht.
Es begann mit einer kleinen Prüfung in Chinesisch (also Hanjü), nicht in Konversation (das heißt Koujü).
Am Donnerstag (und bitte glaubt mir, wenn ich Di und Mi nicht erwähne, dann war da auch nichts erwähnenswertes) stand wieder eine kleine Busreise auf dem Plan. Und zwar zu dem selben Gebäude, wie auch schon vor exakt einer Woche: Siemens-Tower. Es galt auch, sich mit der gleichen Person zu treffen, wie letzte Woche: Amber, Sekretärin eines Kollegen von Vater. Und O. nahm die gleiche Buslinie wie eine Woche zuvor: 944. Doch damit hörten die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Denn Diesmal war O. nicht alleine unterwegs, sondern hatte aufsehenerregende Begleitung: Teresa aus dem schönen Österreich mit einer hellen Haarpracht, dass man förmlich sah, wie es den schwarzhaargewohnten Einheimischen in den Fingern juckte („Nur ... einmal .... anfassen!!!“). Und diesmal ging es auch um keinen Brief, sondern um ein Paket: Von der Familie!
Mit so vielen schönen Sachen, die man sich natürlich auch zum Teil hier kaufen kann, aber eben nur zum Teil. Und nun muss ich schnell eine Reaktion verfassen, für die Sachen, DIE man sich auch hier kaufen könnte (z.B. Winterjacke, Schal, Handschuhe und Kalender). O.s Gedankengang sieht ungefähr so aus: Er lebt ein Jahr lang in China. Danach kehrt er nach Hause zurück. Was er hier an Gebrauchsgütern kauft, hat er bei seiner Rückkehr doppelt. In Fällen einer Nachttischlampe oder Kehrschaufel und Besen kann man nix machen, so was holt nichtmal er sich gebraucht aus der Heimat. Aber Kleidung! Wenn sich schon die Gelegenheit bietet, warum sollte man dann nicht das verwenden, das man schon hat?
Damit das klar ist, es ist keine Geldfrage. Gerade Kleidung gibt es hier sehr günstig oder gut. Aber man muss immer an den Tag der Rückkehr denken. Da hat man dann eben eine Jacke mehr daheim, oder man lässt sie, die neue Jacke zurück. Oder man gibt noch mal Geld aus, um sie irgendwie doch mitnehmen oder schicken zu können. Und der Kalender, na ja, O. hat schon ein Etui und brauchte nur eine passende Füllung für 2009, warum also einen kompletten Kalender nachkaufen? Dass die Familie dann natürlich einen komplett neuen Kalender mitschicken würde, konnte ja niemand ahnen ...
So, nach Rückkehr in klirrender Nacht, angetan mit dem neuen Schal folgte O. einer Einladung einer Studentin aus dem gleichen Wohnheim, Chanettia (gesprochen Schaniescha) ihren Geburtstag mitzufeiern. Mann versammelte sich am Campustor und schlenderte bis zum geplanten Restaurant. Dort bekam die Gruppe einen eigenen abgeschlossenen Raum und dürfte essen.
Besonderer Clou der ganzen Geschichte war die blutige Tigertorte, die zwei Freundinnen dem Geburtstagskind schenkten. Die Aufschrift bedeutete „Vorsicht!“
Diese Torte wurde dann auch gegessen. Zu O.s Entzücken, war dies kein herkömmlicher Zuckerguss, sondern so eine Art Marshmallow-Schicht. Schmeckte richtig gut! Fast wie in Traumschiff-Manier ging auch ein zweites Mal das Licht aus, und die Bedienungen brachten eine Schale mit Essen herein, auf der Leuchtkörper steckten. Es waren eben Kerzen statt Sternwerfer und Obst statt Filet Mignon, aber die Atmosphäre, die Atmosphäre!!
Am Freitag gab es Heimabend Light. Außer O. kam niemand, und Leru musste leider auch weg. So bestellten sich Faye und O. indisches Essen und plauderten, bis auch sie früher als gewohnt weg musste.
Am Sonntag verabschiedete sich ein Zweig der Kirche von seinem Präsidenten, Heinz Dickens und seiner Frau Debby. Allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz fühlte sich das Ganze an, wie eine Beerdigung. Naja, zumindest war es jedoch ein Abschied. Und die beiden waren schon zehn Jahre lang in diesem Zweig gewesen! Und kaum kommt O., BUMM!
Mittagsgastgeberin für die JAEs war heute Grace Kim, Kanadierin mit koreanischem Migrationshintergrund. Aber das Essen war ganz klar koreanisch und wurde am großen Esstisch eingenommen. Für die Nachspeisenhäppchen (darunter auch Lebkuchen aus dem Paket vom Donnerstag) konnte man zurr Ssssitzgggruppe ggehn! Und heute konnte O. auch zum ersten mal erleben, wie es aussah, wenn jemand bei dem Spiel „Phase 10“ die Phase 10 auch erreicht! Hatte nur gut drei Stunden gedauert.
Ach ja, eines noch. Was die größte Auftischung dieser Woche war: bei der Weihnachtsfeier letzten Samstag war eine große Menge Fleisch übrig geblieben ( in der Art dieses „pulled pork“), und Präsident Dickens hatte es O. bildlich gesprochen in den Schoß fallen lassen, sich daran zu erfreuen.
Man müsste inzwischen gelernt haben, dass O. nicht gerne verschwendet oder verderben lässt. Und als keiner etwas von dem Fleisch abhaben wollte, aß er eben selbst eine Woche lang zu fast jeder Mahlzeit Fleisch mit Nudeln. Dadurch erhielt seine Persönlichkeit gleich wieder etwas mehr Gewicht .... in der Gesellschaft.

Montag, 8. Dezember 2008

Nikolaus (06.12. - 07.12.08)

Am 6. Dezember feiert man in Deutschland (und bestimmt auch in Österreich) den Nikolaus. Ein schlichter Mann Gottes, der notleidenden Familien Geschenke brachte. Und das passt ja auch ganz gut zu dem Thema Weihnachten, an dem es um Hilfe, Zuwendung und Nächstenliebe geht.
Wahrscheinlich eher zufällig, weil er auf Samstag fiel, war der 6. Dezember auch der Tag des Weihnachtsdinners der beiden Zweige in Beijing. Es fand in der Mensa der Beijing International School statt. Und ca. 250 Leute waren da. Auf der einen Seite war das Essen, auf der anderen die Decken, bei denen man Fransen schneiden und anschließend knoten konnte. Und in der Mitte lagen Tischeweise Windeln, Puder, Seife, fertige Decken und ähnliches für ein Kinderheim.
Es war dies das erste mal, dass O. Weihnachten auf amerikanisch erlebte, und einfach erkennen musste, dass die ganze Herangehensweise von der ihm vertrauten grundlegend verschieden war. Im Deutschen verbindet er mit Weihnachten: Christkind, Baum, Besinnlichkeit, Weihnachtslieder, insbesondere Stille Nacht, Geschenke, Heilig Abend, Gans. Also so spontan.
Hier erlebte er Santa Claus (seit 100 Jahren in der Kleidung der Coca Cola-Werbung, der er entsprang), Rudolph das Rentier mit der roten Nase, schnell geträllerte Charols, die sich mit Glocken, Schlitten, Hohoho usw. befassen.
Zugegeben, Kommerz ist überall erstes Gebot, aber während man in Deutschland (und Österreich) noch erkennt, wo das Fest herkommt, und was es bedeutet, frage ich mich, wer diese Ideen von wegen Nordpol, Elfen, Rentieren, Schlitten, Zuckerstangen und Cookies gehabt hat.
Bitte nicht falsch verstehen, Weihnachten ist auch so ein lustiges Fest und betont das Geben und gegenseitige Zuneigung, aber es wirkt wie ein komplett anderes Fest.
Ich meine, verbinde mal die Geburt Jesu Christi mit einem rotmanteligen Rauschebart vom Nordpol.
Am Sonntag jedenfalls nahmen alle schon einmal inoffiziell Abschied von Debby und Heinz Dickens, die noch vor Weihnachten in die VS zurückziehen werden.
Und am Nachmittag gab es wieder ein Essenseinladung für die JAEs. Neben dem Essen das Beste war, dass die Familie einen putzigen kleinen Hausgenossen hatte. Nein, keine Küchenschabe, sondern einen Wellensittich. Und ein so braver noch dazu. Hoffentlich nicht so ein gehorsam geprügelter ...

Premieren und Dernièren (01.12. - 05.12.08)

Wie in einem anachronistisch-surrealen blog zu erwarten, kommt hier die Dernière (Laut einer Webseite das Gegenteil von Premiere) zu Beginn des Eintrags. Und doch ist sie zugleich eine Premiere ...
Nach der Morgenklasse ging O. zum ersten Mal zu einem oft gesehenen Friseurgeschäft, dass kein Ein-Mann-Laden war und von einem Hauch Moderne umweht wurde. Preise waren auch deutlich von außen lesbar. Normaler Haarschnitt 28 Yuan, vom Profi 48 Yuan. Hmmmmmmmmmm .... Ich überlasse es der Phantasie der Leser, für welche Option sich O. entschied.
Zunächst bekam sein schütteres Haupthaar eine Wäsche, Massage und Spülung. Dann wurde es gestutzt, dann nochmal gewaschen und gespült. Das Ergebnis sehen Sie: hier.
Zu Mittag aß O diesmal von feinsten. Reste vom Thanksgiving-Dinner! Das heißt, zwei Truthahnbeinchen mit Nudeln (Natürlich Nudeln!). Die öffentliche Küche verfügt über zwei Gasherde, also konnte O., während die Nudeln im kochenden Wasser lagen, die Beinchen über dem anderen Herd in bisschen rösten.
Und am Abend hieß es Abschied nehmen vom Taiji-Lehrer. Denn diese Woche fand die letzte Stunde satt ..... statt.
O. bat und erhielt die Ehre, dass der Lehrer seinen Namen handschriftlich in sein Tagebuch eintrug. Obendrein gab er ihm noch seine Visitenkarte. Damit wusste O., dass 张天豹 (Dschang Tiänbao) nicht nur im Taiji was drauf hatte, sondern sich mit allerlei verschiedenen Kampftechniken auskannte. Waren am Ende einige der Übungen, die er den Schülern beigebracht hatte, gar nicht Taiji ...?
Neues aus dem Verkehrsfunk: Dumdidum. Straßenausbesserungsarbeiten auf dem Ostcampus dauern an. Als Ärgernis am Rande wurde nun Baumaterial unter dem Hangelgestänge aufgestapelt, an dem O. sich nach seinem Morgensport doch immer so gerne entlanghangelte. Das muss nun auf unbestimmte Zeit (wahrscheinlich aber einen Monat lang) entfallen.
Zum ersten Mal sah O., dass sich eine Lehrkraft in Hinblick auf einen Prüfungstermin umstimmen ließ. Aus irgendeinem Grund war Donnerstag vielen nicht genehm, und so wurde gemeckert, bis Frau Niä entnervt klein beigab! O. verstand beide Seiten nicht. Und schwieg, wie immer, die feige Sau.
Der Donnerstag markierte den bislang kälstesten Tag seit O.s Aufenthalt. Als er am Abend eine kleine Reise unternehmen musste, um etwas von einer Bekannten zu holen, merkte er, dass seine Turnschuhe ihre Grenzen erreicht hatten. Solange er im Freien stand, brachte ihn sogar diese trockene Kälte buchstäblich zum Schlottern. Dass sowohl hin als auch zurück die Busse vor der Nase wegfuhren, und/oder bei fünf Bussen jeweils der ... letzte der richtige war, muss wohl nicht erwähnt werden.
Am Freitag wurde das Zimmer geputzt und Buntwäsche gewaschen. Am Abend gab es eine Light-Version des Heimabends, da nur vier Leute teilnahmen und eher salopp von der Leber weg plauderten.
Als Geistigen Gedanken sahen sie eine kleine Ehrbezeugung an Joseph B. Wirthlin, der nun seiner Frau in das nächste Leben gefolgt ist, um sie dort wieder in die Arme zu schließen.
Seine letzte Ansprache bei einer Generalkonferenz könnte man als Thema in seinen Grabstein meißeln: http://lds.org/conference/talk/display/0,5232,23-1-947-9,00.html .

Sonntag, 30. November 2008

Dankgebend (24.11. - 30.11.08)

Dank wofür?
Nun, für frisch gewaschenes Bettzeug.
Für den tollen Taiji-Lehrer, dessen Erklärungen man zwar nicht versteht, der aber trotzdem nicht langweilig ist. Diese Woche war die vorletzte Stunde mit ihm.
Für einen schönen Besuch bei Familie Haslam (die Familie, bei der es letzten Sonntag mexicanisch gegeben hatte. Diesmal waren Joel Taylor und O. alleine bei ihnen, und zwar als Heimlehrer. In der Kirche werden Männer immer zwei und zwei ausgeschickt, um Familien zu besuchen. Das ist unabhängig davon, wer wie wo wohnt und wie die Lage ist. Auf diese Weise lernt man sich gut gegenseitig kennen, und grad wenn man Solo-Leute besucht, kann man mal mit Tatkraft mithelfen, wenn etwas allein nicht zu schaffen ist. Haslams jedenfalls ging es gut, und so blieb es bei einem schönen Plausch.
Für eine frisch gereinigte Sonntagshose.
Für einen kostenlosen Fahhrad-Mietservice, den O. auch gleich zum Shoppen nutzen konnte.
Für einen ganz besonderen, kleinen Videoclip, den man sich auf ku6 oder youku, beides chinesische Pardons für Youtube, anschauen kann. Er handelt von zwei blinden Menschen, die sich in einer U-Bahnstation begegnen und dann über die Welt reden, die ER schon lange nicht mehr, und SIE noch nie gesehen hat. Dieses Video ist so unglaublich rührend, dass O. es immer wieder anguckt (wahrscheinlich, bis er es auswendig kann. Der Titel lautet 路遇 (Lujü), was so viel wie "Begegnung Unterwegs" bedeutet. Wer es versuchen möchte, mögliche links lauten:
http://v.youku.com/v_show/id_XNTM2ODkxMTY=.html
http://v.youku.com/v_show/id_XMTYxMDgzODQ=.html
oder
http://v.ku6.com/show/06q8DCgzEvmtQ_2G.html
Für einen wöchentlichen Heimabend, an dem man sich mit Freunden trifft, was isst und sich austauschen kann. Von den Spielen ganz zu schweigen. Oder wie diese Woche von James Bond: Casino Royale. Beim zweiten mal fand O. den Film viel besser, als damals im Kino. Gibt einem wirklich zu denken ...
Für einen chinesischen Staat, der bei allem Unbehagen mit Religion gestattet, dass Mitglider der Kirche hier ihren Glauben ausüben können. Das muss hier so erwähnt werden, weil am Samstag eine Taufe stattfand. Und wir reden hier von Taufe durch Untertauchen. In geleasten Räumen gibt es kein Taufbecken. Also begann der Versammlung, und alle Anwesenden pilgerten einen Stock höher, in das "Miracle"-Fitnesscenter. Da gibt es einen Pool. Und den konnte man nutzen. Wie das alles so passt.
Für eine super Sprachpartnerin, mit der man sich gut versteht, und mit der man spürbaren Fortschritt macht.
Für ein Erntedankessen, dass sich gewaschen hat. Noch am selben Tag fuhr O. mit einem gemieteten Fahrrad quer durch Beijing (auf der Straße, die als einzige die gesamte Stadt ungeknickt durchzieht). Im Heim einer Familie gab es ein Potluck (Essen, zu dem jeder was mitbringt). Und was da an Quantität und Qualität aufgefahren wurde, sprengte Vorstellung und Hosenknöpfe. Und das beste war, dass man sich bei den Resten bedienen konnte. Für O. hieß das zwei Truthahnbeinchen und einige Brötchen. Da viele mit anpackten, war Aufbau und Abbau schnell geschafft. Einziger Wermutstropfen: Auf dem Rückweg fiel die Mutter ab, die das linke Pedal an der Mittelachse festhält, und O. fuhr 5-6 km, indem er alle 4-5 Tritte das Pedal mit dem Fuß neu festklopfen musste. Aber er schaffte es!!!
Für einen schönen Sonntag, bei dem man am Vormittag geistig und am Nachmittag körperlich gestärkt wird. Diesmal bei Familie Carpenter, und wieder reichlich und lecker. Nach dem Essen packte der Vater, der alte Brettspielfreak das erste Spiel des Jahres aller Zeiten aus und bescherte zwei lustige Stunden.
Und zu guter Letzt, und das muss erwähnt werden, wenn man schon über Dinge nachdenkt, für die man dankbar ist, die Menschen.
Für Eltern, die einen hergestellt haben, Geschwister, mit denen man sich super versteht, Freunde in der Heimat, auf die man sich immer freuen kann, wenn man online geht oder an die Rückkehr denkt, Freunde hier in China, die einem so sehr geholfen haben und helfen, und an die man sich wenden kann, wenn man Fragen oder Schwierigkeiten hat. Ja, damit sind alle gemeint, die diesen Blog lesen, denn soweit ich weiß, sind das alles Freunde und Verwandte. Danke euch, und danke für euch.

Montag, 24. November 2008

Dem Himmel so nah (17.11. – 23.11.08)

Diese Woche waren die ersten vier Tage besonders knackig. Also kalt. Der Himmel über Beijing war besonders klar, und das eben auch nachts. Und immer wenn O. nach einer pünktlich begonnenen Schlafphase seinen 6-Uhr-Morgen hatte, joggte er in die sternenklare Kälte hinaus, verblüfft, dass man auch in einer Millionenmetropole die Ster..... WAS!?!! Mein Lüget nicht, wenn ich sage, dass O. tatsächlich eine Sternschnuppe sah. Wie überraschend dieses Erlebnis für ihn war, ist daran ersichtlich, dass er sogar vergaß, sich etwas zu wünschen (als ob das überhaupt was brächte ...).
Einmal gab es in der Mensa so lustige, schlauchartige ... Dinger zu Essen, die relativ zäh und Geschmacksarm waren. Mit jedem weiteren Stück hoffte O., dass es sich um eine Art Pilz handeln möge.
Als er sich mit seinem Sprachpartner und einem gemeinsamen Freund zum Mittagessen traf, litt der Freund (Shawn) unter einer üblen Magengeschichte. Dadurch motiviert, konnte O. sich zum ersten mal ein Suburbanes Krankenhaus von innen anschauen. Es hatte was von einem Amt, als man sich anmeldete, Basismessungen (Puls, Blutdruck) durchführen ließ, und dann eine Pendelbewegung machte: Kasse – Labor – Kasse – Materialausgabe – Kasse – Wartesaal. Shawn wurde ambulant an den Tropf gehängt, zu diesem Zweck war der Wartesaal pro Sitz mit zwei Aufhängern für Beutel ausgestattet. Aber da die Tropfzeit zwei Stunden betragen würde, es bereits 22:30 war und noch zwei andere (Shawns Frau und Weili) bei ihm waren, verabschiedete O. sich geschwind, um noch die letzte U-Bahn nach Hause zu erwischen. Optisch gelang das ... aber zwei freundliche Beamte der U-Bahn zeigten O eine Sonderbuslinie direkt neben der U-Bahnstation. Damit kam O. zu seiner Linie 10 und damit auch nach Hause. Es stimmt schon: Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr .... Engel haben schwarze Haare.
Am Mittwoch abend beeilte O. sich, mit Klassenschluss um 18 Uhr möglichst nah an 19 Uhr in der Kirche zu sein. Und fünf Minuten nach ist ein geradezu unglaublich gutes Ergebnis! Und jede Mühe wert, denn heute hatten wir einen Apostel und zwei Siebziger zu Besuch, die eine Fireside abhielten. Fireside? Was ist das?
Fireside ist das englische Wort für den Bereich um den Kamin, dort, wo man sich in Prä-TV (merke, nicht Pay-TV, sondern Prä-TV!) Zeiten am Abend versammelte, um zu reden, zu lesen, kleine Reparaturen durchzuführen usw. In den Anfangstagen der Kirche war dies auch der Ort, wo man sich nach einem langen Arbeitstag über das Evangelium unterhielt. Dabei wurde der Ort zum Ereignis. Man traf sich also nicht mehr AN DER Fireside, sondern ZU EINER Fireside. Und weiterhin sprach man über ein bestimmtes Thema oder zu einem bestimmten Publikum.
Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, nur wurden die Kamine weniger und die Zuhörer mehr.
Und so trafen sich ca. 250 Menschen in den Räumen der Kirche, um den Generalautoritäten zu lauschen.
Der Apostel heißt Dallin H. Oaks, und er sprach darüber, wie gerade in Zeiten der Unsicherheit und Krise wie zur Zeit das Leben auf einem Fundament, stärker und haltbarer als Geld, gebaut sein muss. Außerdem sprach er den Singles Mut zu, dass man zu jeder Zeit seinen ewigen Gefährten finden kann (da ging ein Seufzer der Erleichterung durch die Reihen). Und schließlich durchlebte er mit den Anwesenden gemeinsam noch einmal die Geschichte der Kirche in China (mit einer Tanzgruppe der Brigham Young Universität fing alles an).
Am Donnerstag fand O. endlich H-Milch!
Das Wochenende war sehr schön, aber das sind hier fast alle, deshalb soll hier nur gesagt sein, dass es so schön war wie fast alles Wochenenden.
Auch wenn die Woche gegen Ende wieder etwas smoggiger und daher wärmer wurde, so geht die allgemeine Tendenz nach unten. Man erkennt das daran, dass in den Eingängen der Geschäfte, die unglaublich lange geöffnet haben, zunehmend diese Nato-Lazarett-Zelteingang-Blätter mit den beiden Sichtfenstern hängen.

BSE und Mexico (10.11. – 16.11.08)

O. begann ab Mittwoch, eine skeptische Augenbraue zu lüften, wenn er sein Essen aus der Kantine holte. Es gab jeden Tag absolut köstliche Hühnerbeinchen. Da das vorher in zweieinhalb Monaten nur ein- zweimal der Fall war, wunderte er sich, ob hier vielleicht Studenten dazu missbraucht wurden, um Beweise für eine neue Epidemie der Hühnergrippe zu vernichten. Selbst wenn es so war, O. tat das mit Freude, brauchte er doch die Kraft, um weiterzuleben, wider der Tatsache, dass der Taijilehrer ihn zunehmend beim Vorführen neuer Moves als ... Versuchskaninchen heranzieht. Und dann mit wucht wieder wegstößt. Am Dienstag nach Tischtennis erzählte mein Sprachpartner seiner Bekannten beim Abendessen von O.s Kirche, dass Mitglieder Alkohol, Kaffee, Tee und Tabak nicht zu sich nehmen. Ihre Frage kam prompt: „Und Rindfleisch? Dürfen die das?“. Sei es allen beantwortet: „Ja.“
Am Donnerstag fiel die Nachmittagsklasse aus. Oder sollte ich besser sagen, sie wurde auf Freitag morgen verlegt. Denn ein Schwung künftiger Lehrer für Konfuziusinstitute (KIe) auf der ganzen Welt sollte sich einmal einen Eindruck davon machen können, wie sich der Unterricht mit Ausländern so anfühlt. Also pilgerte die Klasse zu einem Gebäude mit größeren Unterrichtsräumen, in denen die ca. 60 (!) Zuschauer Platz hatten. In der Pause konnten Schüler und Lehrer ein bisschen plaudern. Das war eine sehr interessante Erfahrung für alle. Aber Frau Nie, die Lehrerin der Klasse, hatte alles souverän im Griff. Heiter war es danach, als zwei sehnsüchtig wartende Schülerinnen das sich lehrende Klassenzimmer stürmten, und die VORDERSTEN Reihen für (scheinbar recht zahrleiche) Freundinnen besetzten.
Freitag war wieder Heimabend, Samstag Treffen mit der Sprachpartnerin JänChia und Sonntag Kirche. Was die drei Tage allerdings GEMEINSAM hatten war, dass sie alle Mexikanisches Essen aufboten. Am Freitag war es eben beim Heimabend. Die bekannte wunderbare Mischung aus Essen, Reden und Spielen.
Am Samstag gab es wieder eine Dinnergroup, zu der O. diesmal Saft mitbrachte. Die Wohnung der Gastgeber zu finden, war ein echtes Abenteuer, denn sie wohnten in einem eingezäunten (sehr großen) Areal, dessen Eingang an einer Straße lag, die nicht der Adresse entsprach (quasi A- Straße Nummer 3, aber der Eingang liegt an der B-Straße). Aber trotz über halbstündiger Zuspätkommung war O. immer noch der zweite von dreien, und das mit nur wenigen Minuten Abstand zum ersten.
Die Gastgeber haben zwei Hunde, einer davon ein Welpe. Süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!
Am Sonntag wurden die JAEs wieder zum Mittagessen eingeladen.
Und eben bei allen drei Gelegenheiten gab es Tortillas, Taccos, alle Zutaten zum wo reintun und Reis als Beilage.
Die Ursachen für diese Häufung liegen wahrscheinlich in irgendeinem kosmischen Gesetz begründet, das den, der es entdeckt in den Wahnsinn treibt.